Erfahren Sie mehr über den Gathas

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Gathas des Awesta 

Gathas des Awesta
Urtext der Heiligen Schrift
Aus dem Persischen ins Deutsche übersetzt und ausgelegt
von H. K. Iranschähr (1884–1962)

Das Wort Gatha wie auch das Sanskritwort Gita bedeuten Lied und Gesang.
Die Gathas bilden den ältesten Teil des Awesta, der Heiligen Schrift Zarathustras, des Propheten der alten Perser und der heutigen Parsis. Alle Orientalisten und Philologen, zu deren Bemühungen und Forschungen die Entzifferung und Übersetzung des Awesta gehört, stimmen darin überein, dass die Gathas Worte von Zarathustra selbst sind.

 
Die Gathas enthalten in kurzen Gesängen die Berufung Zarathustras für seine prophetische Mission, die Verkündigung und die Verbreitung der neuen Religion, einige Anrufungen, Gebete und Predigten.
Die Gathas unterscheiden sich von den anderen Teilen des Awesta durch ihre besondere Metrik, ihre dialektische Sprache und ihren philosophischen Inhalt, daher ihre Originalität und Wichtigkeit.
Im Jahre 1927 hat mein lieber Freund, der persische Gelehrte und Dichter, Poure Davoud, die Gathas aus der Awesta-Sprache unter Zuhilfenahme der in europäischen Sprachen vorhandenen Übersetzungen, besonders der von Professor Chr. Bartholomae, Heidelberg, die als die beste anerkannt ist, ins Persische übersetzt.
So wurde dreizehn Jahrhunderte, nach der Eroberung Persiens durch den Islam, die Heilige Schrift Zarathustras den Bewohnern des Landes wieder verständlich gemacht, wie sie bereits vor Tausenden von Jahren verkündet wurde.
Als ich die Übersetzung las und die Erhabenheit von Zarathustras Weltanschauung und die Wichtigkeit seiner Botschaft gerade für die heutige Zeit erkannte, habe ich mir die Aufgabe gestellt, die Gathas allgemeinverständlich ins Deutsche zu übersetzen.
Da die wenigen europäischen Übersetzungen nur die sprachliche Seite der Gathas erforscht und damit nur das Interesse der Studenten der Philologie erfasst haben, sind diese Übersetzungen für die Allgemeinheit, die nur in die Gedankenwelt Zarathustras eindringen möchte, unverständlich und unbrauchbar.
Darum habe ich mir in meiner Übersetzung zwei Abweichungen oder Neuerungen erlaubt.
1. Bekanntlich sind diese Gesänge nicht nur an verschiedenen Stellen der Yasnas eingesetzt, sondern sie sind auch nicht nach der Reihe der in ihnen ausgedrückten Gedanken angeordnet, z. B. befindet sich oft ein Teil einer Predigt oder einer Anrufung in einem anderen Lied, und dadurch ist der Zusammenhang der Gedanken unterbrochen.
Bei einigen Strophen gehören der erste und zweite Satz nicht zueinander. Man hat die Gathas nur nach ihrem Versmaß geordnet.
Darum habe ich mich bemüht, die Gesänge nach ihrem Inhalt zu ordnen und möglichst auch die Reihenfolge des Originals zu wahren.
Wie man aus dem Inhalt der Gathas erkennen wird, stellen diese Gesänge zusammengefasst die ganze Periode in Zarathustras Mission dar, d. h. seinen Lebenslauf vor und nach der Offenbarung der neuen Religion. Aber er verkündet hier nur Allgemeines und gibt noch keine festen Gesetze.
Daher glaubt man, dass die Gathas aus den Gesängen bestehen, die Zarathustra am Ende seiner Predigten als Zusammenfassung hinzugefügt hat, damit die Zuhörer diese leicht im Gedächtnis behalten konnten.
Um Klarheit über seine Lehre zu schaffen, habe ich den Werdegang und die Entwicklung seiner Mission in Betracht gezogen und die fünf Gathas ihrem Inhalt nach zu folgenden Kapiteln geordnet:
I. Die Klage der Weltseele und ihre Bitte um einen Richter und Erlöser
II. Die Offenbarung Gottes vor Zarathustra und seine Erleuchtung als Prophet
III. Die erste Predigt Zarathustras. Er verkündet seine neue Religion
IV. Zarathustras Verlangen nach weiterer Erleuchtung
V. Die Klage Zarathustras gegen seine Feinde und die Schwierigkeiten in der Verbreitung seiner Religion
VI. Zarathustras zweite Predigt. Die Verheißungen und die Bedrohungen
VII. Die Bekehrung des Königs Gushtasp und seines Ministers und der Sieg Zarathustras
VIII. Zarathustras Rede bei der Hochzeit seiner Tochter
IX. Der Heilige Geist
X. Zarathustras Gottanrufung

Bei dieser Einteilung habe ich überall vor jeder Strophe die Originalnummer des Yasna angegeben, damit das Vergleichen mit dem Text sowie mit den vorhandenen Übersetzungen leicht und möglich wird.
2. Bei der Erwähnung der Namen der Engel (Amschaspands) habe ich den Gebrauch der fremden (awestischen) Worte vermieden, denn jeder Name stellt gleichzeitig eine Eigenschaft Gottes oder einen abstrakten Begriff wie Reinheit und Herrlichkeit dar. Daher habe ich an Stelle der awestischen Wörter wie z. B. Wohumanah, Ascha, Armaiti usw., dieselben entweder als Engel der Reinheit, der Wahrheit usw. oder nur als Reinheit, Wahrheit usw. angemerkt.
Auch bei der Umbildung des Satzes hat meine Übersetzung einige Abweichungen; aber den Gedanken Zarathustras bin ich überall treu geblieben.
Wir dürfen nicht vergessen, dass wir durch diese Gathas nur einen kurzen Überblick über die Religion und Weltanschauung Zarathustras erhalten können, denn, wie bereits gesagt, bilden diese Gathas nur einen kleinen Teil der Schrift Zarathustras. Daher habe ich die wichtigsten Punkte seiner Lehre nach Möglichkeit erläutert und erklärt und jedem Kapitel eine Erläuterung vorausgeschickt.
Über die Zeit, in der Zarathustra gelebt hat, kann ich nicht berichten, denn die steht nicht eindeutig fest. Die Orientalisten haben dazu verschiedene Meinungen. Manche glauben, in Übereinstimmung mit den noch heute bei den Zoroastern geltenden Überlieferungen, dass Zarathustra ca. 6 bis 7 Jahrhunderte vor Christi gelebt hat, andere dagegen gehen auf 8 bis 15 Jahrhunderte zurück. Nach meiner Überzeugung muss, wie einige griechische Historiker meinen, Zarathustra etwa 2200 Jahre vor Christi gelebt haben.
Zum Vergleich habe ich auch aus den anderen heiligen Schriften und aus den Werken der bekannten Denker Beispiele zitiert, damit es klar werde, dass die Wahrheit und die Weisheit überall und zu jeder Zeit dieselben sind, und dass alle Religionen eine gemeinschaftliche Grundlage haben.

Berlin, den 21. November 1929
H. K. Iranschähr

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I. Die Klage der Weltseele und ihre Bitte um einen Richter und Erlöser

“Alle Gedanken, Worte und Taten Zarathustras sind Offenbarungen. Nehmet, o Engel, dieses Gebet an! Seid gesegnet, o heilige Gathas!”
Inhaltserläuterung

In diesem Gesang liegt die Begründung der Mission des Zarathustra. Die Weltseele, die Seele unserer Erde, klagt vor Ahura Mazda (Gott) über die Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten, die unter den Menschen herrschen.
Sie fleht zu Ahura und bittet um ein besseres und fröhlicheres Leben, genau so, wie heute die Seele der Menschheit klagt und um Hilfe fleht.
Ahura fragt seinen Engel der Wahrheit, ob er unter den Menschen jemanden kenne, der als Schützer und Richter geeignet wäre? Der Engel der Wahrheit antwortet, dass es keinen solchen Menschen gäbe.
Nun sagt Ahura der Erdenseele, dass der strebsame Ackersmann, der das Land bearbeitet und das Vieh züchtet, ihr einziger Schutz sei.
Da klagt wieder die Seele der Erde, der Bauer sei ein schwaches Geschöpf und könne sie nicht schützen. Sie brauchte einen gewaltigen Helden und einen machtvollen Richter.
Darauf sagt Ahura, dass es unter ihren Kindern einen Menschen gibt, der für diese Mission beauftragt werden wird. Der Heilige Geist sagt dann zu Ahura: “Ja, Herr, Dein Wille geschehe, denn Du bist allwissend, und Du kennst die Vergangenheit wie auch die Zukunft. Wir, Deine gehorsamen Diener, sind mit dem zufrieden, was Du willst.”
Gleichzeitig fleht Zarathustra zu Ahura und bittet um Erschaffung einer Macht, die die Welt retten und regieren sollte. Er sagt: “Fürwahr, o Ahura, Du allein bist fähig, eine solche Macht zu schaffen!”
Die Wahl des Ahura ist getroffen, und Zarathustra ist als Richter und Erlöser auserwählt.
Die Weltseele fragt den Heiligen Geist, ob endlich jemand zu ihrem Schutz beauftragt worden sei.
Er antwortet: “Ja, es ist geschehen, und dieser Erlöser ist der heilige Zarathustra, denn er ist der einzige unter den Menschen gewesen, der das Gesetz des Ahura angenommen hat.”
Daraufhin ist die Weltseele beruhigt und zufrieden und erhebt ihren Dank- und Lobgesang zum Throne Ahuras empor.
Zarathustra selbst wendet sich zum Volk und sagt:
Ihr Menschen, ihr sehet, wie die Gerechtigkeit von der Erde verschwindet, wie die Reinheit befleckt und wie die Herrschaft verknechtet worden ist! Darum gehorchet mir, damit wir die neue Lehre in uns aufnehmen und die Welt erneuern können!”

(Yasna 29)

Diese Lobgesänge gelten Ahura Mazda, dessen Wille mit der Wahrheit eins ist.
Und diese Gesänge sind zur Errettung der Welt und deren gutestuenden Bewohnern von oben hernieder gekommen! (Y. 29, 7)
Y. 29, 1. 0 Ahura Mazda, die Weltseele klagt vor Deinem Thron und fragt: “Für wen hast Du mich gestaltet, und wer hat mich geschaffen? Die Ungerechtigkeit, die Gräuel, der Zorn und die Gewalt bedrücken mich. Ich habe außer Dir keinen Schutz. Schenke mir ein fröhliches und ewiges Leben!”
Y. 29, 2. Der Schöpfer der Weltseele hat darauf den Engel der Wahrheit gefragt, ob er einen Richter für die Welt kenne. Einen, der ihr Ruhe geben und sich um sie bekümmern würde!
Wer ist der, der für dieses Amt würdig ist, und der auch die Anhänger des Zorns und der Lüge zermalmen könnte?
Y. 29, 3. Der Engel der Wahrheit hat geantwortet: “Einen machtvollen Helfer für die Weltseele gibt es nicht. Unter den Menschen der Schöpfung ist niemand, der wüsste, wie er mit den Untertanen verhandeln soll.”
Y. 29, 4. Da sprach Ahura Mazda, der Weise und der Gesetzeskenner, selbst: “Für Dich, o Weltseele, gibt es keinen edlen Richter, der gemäß des heiligen Gesetzes mit Dir verhandeln würde! Der Schöpfer hat den strebsamen Ackersmann, der die Tiere pflegt, für Dich als Aufseher geschaffen.”
Y. 29, 9. Da erhob die Weltseele Klage und sagte: “Ich hörte die Stimme eines schwachen Menschen. Ich wünschte aber einen kräftigen und heldenhaften Mann. 0, dass ein solch heldenmütiger Krieger mir zur Hilfe kommen würde!”
Y. 29, 3. Ahura sagte: “Ja, es gibt unter den Erdenkindern einen machtvollen Menschen, der zu Mir fleht und ihm will Ich helfen’.”
Y. 29, 4. Der Engel der Wahrheit sprach: “Besser als alle anderen weiß Mazda, welche Taten durch die Dämonen und durch die Menschen in der Vergangenheit verübt worden sind. Und auch alles, was von nun an von jenen ausgeübt werden wird. Das Richten selbst gebührt dem Ahura, und was Er will, damit sind wir zufrieden.”
Y. 29, 10. Zarathustra sprach: “0 Ahura, der Seele der Welt gib Kraft und Geduld.
Aus der Wahrheit und aus der Reinheit schaffe eine Macht, durch welche der Friede und das Wohlbehagen herrschen kann. Ja, ich erkenne, o Mazda, dass durch Dich allein eine solche Macht hervorgebracht werden kann.”
Y. 29, 5. Die Weltseele und ich, wir erheben unsere Hände zu Ahura! Wir bitten Ihn, nicht zu dulden, dass die Guten verderben!
Und auch, dass die Anhänger der Lüge nicht die Kraft bekommen, die gerecht Strebenden zu besiegen!”
Y. 29, 7. Die Weltseele fragt: “0 Heiliger Geist, verkünde mir, wer unter den Menschen zu meinem Schutz auserwählt wurde.”
Y. 29, 8. Der Heilige Geist antwortet: “Zarathustra, der Heilige, ist der einzige Mensch, der das göttliche Gesetz annahm. Er ist, o Mazda, derjenige, der den wahren Gedanken hegt und pflegt. Darum wurde ihm das wohltuende Wort (die Botschaft) gegeben.”
Y. 29, 11. Die Seele der Welt sprach: “0 Ahura, aus Dankbarkeit, dass Dein Schutz zu mir gekommen ist, bringe ich Dir meine Anbetung dar!”
Zarathustra sprach: “Wo befinden sich die Gerechtigkeit, die Reinheit des Geistes und die Herrschaft? Damit das ganze Volk diese Lehre in sich aufnehmen kann, nehmet mich, o ihr Menschen, bei euch auf!”

 

 

II. Die Offenbarung Gottes vor Zarathustra und seine Erleuchtung als Prophet

Inhaltserläuterung
Die folgenden Lieder zeigen uns, wie sich die Seele Zarathustras nach der Offenbarung Gottes sehnt.
Ja, auch Zarathustra ruft wie Moses Gott an, wie ein vertrauendes Kind, und bittet. “Komme zu mir mit Deinen Engeln, wie Du es versprochen hast.”
Von den sieben Engeln des Ahura Mazda, welche seine offenbarten Aspekte oder Eigenschaften darstellen, ruft hier Zarathustra erst zwei an, den Engel der Wahrheit und den Engel des reinen Geistes oder den Heiligen Geist.
Da er noch nicht die Erleuchtung erlangt hat, ist er noch mit Zweifeln behaftet, darum fragt er, wann sich die Wahrheit ihm offenbaren und ob er Zuhörer finden wird. Zuerst stellt er sich als dienstbereiter Verehrer und als beauftragter Beschützer der Seelen der Gläubigen vor. Er verlangt nach der Herrlichkeit beider Welten, in leiblicher, sowohl wie auch in spiritueller Hinsicht, denn er ist gleichzeitig geistig und als Tatmensch eingestellt, und seine Lehre ist eine die Welt bejahende Lehre.
Dann verlangt er nach der Wahrheit und nach dem Erkennen des Heiligen Geistes. Er bittet auch darum, dass Ahura mit Seinen Engeln zu ihm komme und ihm Standhaftigkeit verleihe.
Dann folgen die Verse, mit denen er seine Visionen schildert, in denen ihm der Heilige Geist erscheint, ihn nach seinen Wünschen fragt und ihn belehrt.
Es sind im Ganzen sechs Visionen, durch die er zur Anerkennung Ahuras und zur Erleuchtung gelangt.
Er sagt, dass er Ahura zum ersten Mal bei der Bestimmung des Lohnes und der Strafe im Anfang der Schöpfung gesehen und erkannt hat.
Als der Heilige Geist ihn fragte, wie er sich bezeichnen wird, sagt er, dass, solange das heilige Feuer (Sonne) Ahuras ihm leuchte, er die Wahrheit nicht verlassen werde.
In der sechsten Vision kommt der Engel der Treue zu ihm und belehrt ihn, dass er den Gegnern der Wahrheit nichts mehr zum Gefallen tun darf.
Er verspricht, solange er lebt und die Kraft dazu besitzt, die Wahrheit zu verkünden und die Menschen zu dem rechten Weg zu führen.
Dann fragt er, ob er den Engel der Wahrheit wohl schauen könnte! Darauf erscheint ihm Ahura Mazda selber und spricht:
“Ich bin mit meinen Engeln der Wahrheit und der Liebe zu Dir gekommen, erfrage nun alles, was Du wünschst!”
Zarathustra ist beglückt und äußert seine Wünsche, und sein erster Wunsch ist, dass er am jüngsten Tag Ahura als mächtig und heilig erkennen möge! Dann verlangt er Schutz und geistige Reinheit. Zuletzt betet er auch für seine Anhänger und für sich. Für ihn besteht der wahre Reichtum und das reine Leben nur aus Liebe und Treue, und die Reinheit des Geistes ist das tägliche Brot, das er von Ahura verlangt, und er sagt, dass er ein Wegweiser zur spirituellen Welt und ein Weiser und Heiliger geworden sei, wie Ahura selbst! Aus Dankbarkeit verspricht er, sich nicht dem Zorn zu unterwerfen. Bei Zarathustra ist der Zorn der schlimmste Feind des Menschen, und der Dämon des Zornes ist einer von den mächtigen Gehilfen Ahrimans.
Für ihn ist und bleibt stets die Reinheit des Geistes das ewige und höchste Gut in dieser Welt. Ferner fragt er, wie sich das jenseitige Leben gestalten wird, da die Taten und Gedanken dieser Welt aufbewahrt werden und sich auf das zukünftige Leben auswirken?
In diesem Gedanken liegt schon der Keim der Wahrheit, daß jeder einst das ernten wird, was er jetzt sät. Es ist hierin auch vielleicht eine Andeutung für das Gesetz der Wiederverkörperung der Seele auf der Erde enthalten.

(Yasna 28 und 43)

Y. 28, 1. Zur Verherrlichung der Erschaffung Deines Heiligen Geistes, o Mazda, erhebe ich meine Hände zu Dir, um Hilfe zu erflehen. Vor allem erbitte ich, o göttliche Wahrheit, dass ich den Geist der Reinheit und die Weltseele zufrieden stellen werde.
Y. 28, 2. Ich bin derjenige, o Ahura Mazda und o Heiliger Geist, der sich für Eure Dienste bereithält. Gewährt mir durch die Wahrhaftigkeit die Herrlichkeit beider Welten. Gebet mir jene leibliche und geistige Herrlichkeit, welche dem Gläubigen Freude und Frohsinn verleihen!
Y. 28, 3. Ich bin, o Ahura Mazda, o Engel der Wahrheit und o Heiliger Geist, derjenige, der euch den Lobgesang singen will, wie er nie zuvor gesungen wurde, und auch den Lobgesang für alle diejenigen, für weiche der Engel der Liebe das Reich der Unsterblichkeit schmückt. 0, eilt zu meiner Hilfe, wenn ich euch rufen werde!
Y. 28, 4. Ich bin derjenige, der mit Hilfe meines reinen Geistes zu dem Schutz der Seelen der Gläubigen beauftragt ist. Denn ich bin der Belohnung kundig, welche Ahura Mazda für gute Taten gibt. Solange ich die Kraft und die Macht besitze, werde ich die Menschen lehren, dem Weg der Wahrheit zu folgen!
Y. 28, 5. 0 Wahrheit, wann werde ich Dich erreichen? Wann werde ich mich wie ein Weiser über das Erkennen des Heiligen Geistes freuen, sowie auch über das Erschauen des Hofes des großen Ahura und der Herrlichkeit des Mazda?
Ich hoffe, dass ich durch meine Zunge und durch diese Lehre die Vernichter der Wahrheit zu dem führen werde, der über alles erhaben ist.
Y. 28, 6. 0 Mazda, Deinem sicheren Versprechen gemäß komme mit Deinen Engeln der Reinheit und der Wahrheit zu mir! Verleihe mir Standhaftigkeit und festen Schutz! Damit ich dadurch die Feindschaft der Gegner überwinden werde.
Y. 43, 5. Ich habe Dich da als heilig erkannt, o Ahura Mazda, als ich Dich zum ersten Male sah, wie Du bei der Erschaffung des ersten Lebens für jede böse Tat und für jedes schlechte Wort eine Strafe, und für jede gute Tat und für jedes liebe Wort eine Belohnung am Gerichtstag bestimmtest.
Y. 43, 9. Ich habe Dich da als heilig erkannt, o Ahura Mazda, als Dein Engel, der Heilige Geist, zu mir kam und fragte, wodurch ich mich kennzeichnen werde, und ich habe gesagt: “Solange Dein Feuer flammen wird und ich vor ihm Dich anbeten und Dir opfern werde, solange werde ich von der Wahrheit nicht abweichen.
Y. 43, 7. Ich habe Dich als heilig anerkannt, o Ahura Mazda, als der Heilige Geist zu mir kam und mich fragte: “Wer bist Du und zu welcher Familie gehörst Du? Und mit welchem Zeichen wirst Du Dich vorstellen, wenn man über Dich selbst und über das Deine Dich fragt?”
Y. 43, 8. Ich habe ihm (dem Heiligen Geist) gesagt: “Ich bin Zarathustra, und so gut ich es kann, werde ich der wahre Feind der Anbeter der Lüge sein und der mächtige Beschützer der Anhänger der Wahrheit bleiben, damit ich das Reich der grenzenlosen Unsterblichkeit erreichen kann. So werde ich Dir immer huldigen und Dein Lob singen, o Mazda!”
Y. 43, 11. Ich habe Dich da als heilig erkannt, o Ahura Mazda, als Dein Engel, der Heilige Geist, zu mir kam, und als ich zum ersten Male über Deine Gesetze belehrt wurde! Wenn mir auch meine Botschaft unter den Menschen viele Mühe bringen wird, so will ich sie dennoch erfüllen, denn Du hast sie als die beste erkannt.
Y. 43, 12. Seitdem Du zu mir gesagt hast: “Du mußt zum Engel des Gehorsams kommen, um unterrichtet zu werden”, habe ich nie verfehlt, Deinem Befehl zu folgen. Denn Du hast gesagt: “Beeile Dich, bevor mein Engel des Gehorsams, begleitet von dem Engel der Gerechtigkeit, jeder der Menschengruppen ihre Vergeltung als Lohn oder als Strafe zuerteilen.
Y. 43, 13. Dann habe ich Dich als heilig anerkannt, o Ahura Mazda, als Dein Heiliger Geist zu mir kam, um sich nach meinen Wünschen zu erkundigen.
Trotzdem ich weiß, dass niemand Dich bezwingen kann, will ich, daß Du mir ein langes und fröhliches Leben in Deinem herrlichen Reich, von dem Du mir gesprochen hast, versprichst.
Y. 43, 15. Dann habe ich Dich als heilig anerkannt, o Ahura Mazda, als Dein Heiliger Geist zu mir kam und Dein Engel der Liebe und Treue, der Beste von allen, mir verkündete,
dass man nicht mehr zur Zufriedenheit der Anhänger der Lüge wirken solle,
denn dadurch werden alle Freunde der Wahrheit anfangen, feindselig zu sein.
Y. 45, 8. Mit Hilfe Deiner Lobgesänge und Verehrung musst Du Seinen Blick Dir gewinnen. Ja, ich will jetzt mit meinen eigenen Augen das Reich anschauen, das die Stätte der reinen Gedanken, der guten Taten und der heilsamen Worte ist. Nachdem ich Ahura Mazda durch die Wahrheit anerkannt habe, will ich mein Lob und meine Anbetung vor Seinem Thron niederlegen.
Y. 43, 10. Lass mich den Engel der Wahrheit anschauen, denn ich liebe ihn ewiglich!” Mazda sprach: “Ich bin jetzt mit meinen Engeln der Wahrheit und der Liebe zu Dir gekommen. Erfrage nun von uns, was Du wünschst! Eine Frage von einem wie Du, wird eine mächtige Frage sein, weil derjenige, der Deine Bitte zu erfüllen vermag, bereit ist, es zu tun.”
Y. 43, 4. Ich wünsche, Dich als mächtig und heilig zu erkennen, o Mazda, an dem Tage, an dem Du das Los eines jeden Menschen in die Hand nehmen
und die Anbeter der Lüge bestrafen, aber die, welche die Wahrhaftigkeit lieben, belohnen wirst. Das wird dann geschehen, wenn die Glut Deines Feuers, das seine Kraft durch die Wahrheit hat, mir die Macht der geistigen Reinheit verleihen wird!
Y. 43, 6. An dem Tage, an welchem Du, o Mazda, mit Deinem Heiligen Geist erscheinen und von den Engeln der Herrlichkeit und der Reinheit, durch die das Haus der Wahrheit erhalten wird, begleitet sein wirst, wird der Engel der Liebe Dein Gericht verkünden, und niemand wird Deine Weisheit betrügen können.
Y. 43, 14. Ich verlange von Dir Schutz und liebevolle Hilfe, wie sie ein Weiser seinem Freund geben kann. Wenn ich durch den Engel der Wahrhaftigkeit mit der Kraft Deiner Herrschaft vertraut bin, dann werde ich mit allen denjenigen, die Deine Worte annehmen, gegen diejenigen kämpfen, die Deine Gesetze verschmähen.
Y. 43, 16. 0 Ahura, ich, Zarathustra, habe jeden Deiner heiligsten Engel für mich ausgewählt. Gib, o Mazda, dass die Wahrheit in mir verkörpert wird,
lasse Deinen Engel der Liebe in Deinem sonnigen Reich von der Kraft und Lebendigkeit erfüllt bleiben, und vermöge, dass Dein Engel der geistigen Reinheit und Erkenntnis einem jeden gute Belohnung, je nach seinen Taten, beschert.
Y. 28, 9. Aus Dankbarkeit für Deine Gnade, o Ahura Mazda, o Wahrheit und o Heiliger Geist, will ich stets danach streben, nicht dem Zorn unterworfen zu werden. Dir bringe ich meine Lobgesänge dar, Dir, der Du meine Wünsche erfüllst und Dir, zu dem meine Hoffnung auf das Paradies sich wendet!
Y. 28, 10. Erfülle, o Ahura, die Wünsche aller derjenigen, die Du ihrer guten Taten und reinen Gedanken wegen Deiner Gnade für würdig befindest.
Denn ich weiß wohl, dass die Lobgesänge und Anbetungen, die Dir dargebracht werden, von Dir angenommen und ihre guten Wirkungen ausüben werden!
Y. 28, 11. Da ich Dir die guten Taten und die reinen Gedanken der Menschen zum Aufbewahren darbringen will, bitte ich Dich, o Mazda, mich durch Deinen Geist und Deine Zunge zu belehren, wie sich das Leben in der kommenden Welt gestalten wird!
Y. 43, 1. Nach der Bitte eines Jeden von euch, ihr Zuhörer, verlange ich von Ahura, dem Erfüller aller Wünsche, dass Er eure Bitten erfülle und einem Jeden von euch gebe: Kraft, Standhaftigkeit und die Macht der Wahrhaftigkeit.
0, Engel der Liebe und der Treue, schenke mir ein wenig von dem wahren Reichtum und einen Genuss von dem Leben der reinen Geistigkeit.
Y. 43, 2. Erfülle, dass der Erbittende das Beste bekommt.
Gewähre demjenigen das Paradies, der nach ihm verlangt, o Ahura, durch Deinen liebreichen und Heiligen Geist. Schenke ihm täglich die Gnade der Reinheit des Geistes, die Du für die Wahrhaften gibst, nebst der Freude eines langen Lebens!
Y. 43, 3. Gib, dass ihm (dem Zarathustra) das beste Los zuteil wird, denn er hat den rechten Weg gezeigt, der zu der Errettung des irdischen Lebens führt!
Er wurde ein Wegweiser zur geistigen Welt der wirklichen Geschöpfe, wo der erhabene Hof des Ahura aufgerichtet ist!
Er ist derjenige treue Mensch, der weise und heilig ist wie Du, 0 Mazda!

III. Die erste Predigt Zarathustras

Wer durch der Weisheit Auge erkennt, wie sich der Geist vom Stoffe unterscheidet und wie sich Licht und Dunkelheit bekämpfen, der folgt dem Licht und geht zum Frieden ein. (Bhagawadgita)

In dieser Predigt werden die Geschichte der Schöpfung und die Entwicklung der Menschheit dargestellt.
Gewiss hat diese Predigt wenig Ähnlichkeit mit der Predigt des erhabenen Gautama Buddha im Gazellenhain zu Benares, in welcher er seine tiefe Philosophie dargestellt und gelehrt hat, wie das Leid in der Welt entstanden ist und wie es durch den achtfachen Pfad zu überwinden sei.
Auch ist diese Predigt von Zarathustra nicht mit der Bergpredigt von Christus vergleichbar, der von einem mit irdischen Lüsten behafteten Volk und selbstsüchtigen Buchgelehrten jene göttlichen Worte gesprochen hat, die ewiglich ergreifend bleiben werden, denn “er predigte gewaltig und nicht wie die Schriftgelehrten!”
Doch auch die Predigt von Zarathustra gehört zu den erhabensten göttlichen Worten, die je für die Erleuchtung der Menschheit durch den Geist der Führung gesprochen worden sind. Wir müssen uns nur vor Augen halten, dass Zarathustra in einem anderen Zeitalter lebte als Buddha und Jesus und unter einem Volk, das andere Sitten und Gebräuche hatte.
Sein Zeitalter, sein Land, sein Volk und seine Sprache waren anders, und das alles hat auf die Entstehung und Entwicklung seiner Religion gewirkt!
Aber auch seine Ideen sind aus einer göttlichen Erkenntnis entsprungen, die für alle Völker und für alle Zeiten die Wahrheit darstellt, und je tiefer man in seine Lehre eindringt, desto erhabener wird seine Weisheit.
Sein erstes Gebot in dieser Predigt besteht darin, dass ein jeder selbst seine Religion mit voller Freiheit wählen soll und vor allem lernen soll, zwischen Wahrheit und Unwahrheit zu unterscheiden.
Dies zeigt genug die Größe seiner Toleranz und begründet die Willensfreiheit, durch welche ein jeder Mensch der Schmied seines Schicksals werden muss.
Es ist die Wirkung dieser weisheitsvollen Toleranz gewesen, dass die Könige des alten Persiens nicht nur den unterworfenen Völkern ihre Religion frei gelassen hatten, sondern sie achteten ihre Dogmen und religiösen Sitten und verehrten auch ihre Götter und nahmen sogar Teil an ihren Opfern und Gottesdiensten, wie es der König Kurusha (Cyrus, 559-529 v. Chr.) bei der Eroberung von Babylonien getan hat. Diese Könige wussten wohl, dass hinter allen diesen Dogmen, Anbetungen und Verherrlichungen nur ein und dasselbe urewige Wesen steht.
Dann schildert Zarathustra seine dualistische Lehre von den zwei ursprünglichen Prinzipien oder Geistern.
Nach dieser seiner Lehre sind die Reinheit und die Unreinheit, oder das Licht und die Finsternis, oder die Wirklichkeit und die Unwirklichkeit am ersten Tage der Schöpfung als Zwillinge geboren. Diese Zwillinge sind der gute und der böse Geist (Spentman und Ahriman). Beide besitzen eine schöpferische Macht. Wir müssen uns aber vor allem klar sein, dass in dieser dualistischen Lehre das Prinzip der Einheit Gottes enthalten ist, und dass diese Lehre im Grunde eine monotheistische Weltanschauung darstellt.
Denn Ahura allein ist der einzige, allmächtige und ewige Gott, obgleich man an verschiedenen Stellen des Awesta liest, dass Zarathustra Ahriman, den bösen Geist, dem Ahura Mazda, dem eigentlichen Gott, gegenüber stellt und sagt, dass alles Gute, Nützliche, Schöne und Wahre von Ahura geschaffen ist, und dass alles Böse, Schädliche, Hässliche und Unwahre die Geschöpfe Ahrimans sind.
Aber aus anderen Stellen des Awesta geht hervor, dass der Gegensatz von Ahriman nicht Ahura selbst, sondern sein Engel Spentman ist, der “der Heilige Geist” ist, durch den Ahura alles geschaffen hat. Ahriman ist also, auch wenn er schöpferische Macht besitzt, ein Geschöpf Ahuras und mit seinem Gegensatz Spentman verbrüdert, denn als Zwillinge haben beiden dieselb Mutter gehabt. Ahura bleibt dann der einzig erhabene und allmächtige Gott.
Außerdem hat Ahriman keine Macht, einen Menschen zu erschaffen, denn die Menschen sind nur die Geschöpfe Ahuras. Er kann auch einen Sterblichen, sei es auch sein eigenes Geschöpf, nicht unsterblich machen.
Ahriman kann aber die Menschen verführen, ihre Seelen rauben und sie verderben und auch alle Art Unheil verursachen.
Die bösen Menschen sind also nicht Geschöpfe Ahrimans, sondern sie sind nur durch ihn betrogen und verführt worden. So stellt Ahriman den Satan des Christentums und des Islam dar, unter einem anderen Aspekt, wobei er eine besondere Rolle bei der Schöpfung der Welt spielt. Ahriman ist auch, wie Satan, der Herrscher der Finsternis, der Fürst der Hölle und der Gottlosen und der Dämon der Lüge und des Betruges.
Aber er ist nicht, wie Satan, ein gefallener Engel, sondern ein machtvoller Schöpfer, der schon im Anfang der Schöpfung als Echo oder Schatten des Heiligen Geistes da gewesen ist. Darum sagt Zarathustra von ihm, dass er und sein Gegensatz, der gute Geist, als Zwillinge geboren sind. Auf die Frage: “Warum hat überhaupt Ahura Ahriman geschaffen?” kann man antworten, dass, ebenso wie das Licht mit der Finsternis zusammengehört, so ist auch der gute Geist mit dem bösen Geist verbunden. Deshalb ist Ahriman ein Geschöpf der Notwendigkeit. Aber seine Macht ist begrenzt, und er wird schließlich besiegt und überwunden werden wie die Macht des Satans oder des Teufels. Als Wirkung dieser beiden gegensätzlichen Mächte wurden nun in der Welt der Ideen, auf dem Mentalplan unseres Sonnensystems, auch zwei Prinzipien geboren, als Licht und Finsternis, oder als Geist und Materie. Diese zwei Prinzipien fanden wiederum, gemäß dem hermetischen Grundsatz, wie oben, so unten, ihre Widerspiegelung auf dem irdisch-menschlichen Plan in der Form der Reinheit und der Unreinheit des Gedankens, des Wortes und der Handlung, welche die drei Tätigkeitsformen des menschlichen Daseins bilden.
Danach sind alle bösen Gedanken, Worte und Handlungen durch den ahrimanischen Geist unterstützt und ernährt –, aber die guten Gedanken, Worte und Handlungen sind vom reinen oder Heiligen Geist geboren und sind daher göttlich. Darum sagt Zarathustra, dass der Weise von diesen zwei Prinzipien das beste für sich erwählen soll, nämlich die Reinheit des Gedankens, des Wortes und der Handlungen. Diese Forderung bildet das Grundprinzip seiner Moral und seiner Philosophie.
Diese beiden Prinzipien nennt Zarathustra „das Prinzip der Wahrheit oder Wirklichkeit und der Unwahrheit oder Lüge“. Die Wahrheit ist hier durch den Heiligen Geist Spentman und die Unwahrheit durch Ahriman dargestellt. Infolgedessen nennt er die Menschen, welche das gute Prinzip oder den guten Geist erwählt haben, die Anhänger der Wahrheit, und die anderen die Anhänger der Lüge. Ahriman selbst, der die bösen Menschen regiert, wird als Dämon der Lüge betrachtet, und sein Wohnort (die Hölle), wird als das Haus der Lüge bezeichnet.
Mit der Wahl der Worte “Wahrheit” und “Lüge” hat Zarathustra seine geniale Weisheit bewiesen, denn dadurch allein gibt er von Anfang an seinen Gläubigen zu verstehen, dass die Lüge oder Bosheit einen vergänglichen und dunklen Charakter hat, denn die Lüge hat kein ursprüngliches Dasein für sich, sondern entsteht aus dem Mangel an Wahrheit und dem Verfehlen derselben, dem Schatten gleich, der für sich kein Dasein besitzt.
Dann macht er ihnen auch noch begreiflich, dass diese Lüge, die Quelle aller Bosheit, nur dadurch überwunden wird, dass man die Wahrheit mehr und mehr liebt und unterstützt, denn es ist klar, dass die Dunkelheit desto schneller verschwindet, je mehr Licht erzeugt wird.
Er sagt weiter, dass diese Dämonen zwischen dem Guten und dem Bösen nicht unterscheiden könnten, weil ihnen der Dämon der Täuschung erschien und sie bezauberte. Daher haben sie das Böse erwählt und sich zum Zorn gewandt, um das Leben der Menschen zu vernichten.
Dies erinnert uns, wie es in der Bibel und im Koran geschrieben steht, an die Verbannung des Satans, Luzifers, der zuerst ein Engel am Hofe Gottes war und an seinen Schwur, dass er von nun an die Menschen verführen wird! Mit dem Dämon des Betruges ist hier die geistige Blindheit, die Nichterkenntnis gemeint, denn diese ist es, durch welche die Menschen nicht unterscheiden können, was gut und was böse, was wahr und was falsch, was ewig und was vergänglich und was wirklich und was Täuschung und Trug ist. Dieser Gedanke der Täuschung erinnert uns an die Lehre der Mystik und der brahmanischen und buddhistischen Weltanschauung, dass alles in dieser Welt nur Trug und Schein sei. Für Zarathustra ist auch diese Welt ein Schein und vergänglich, denn sie wird ja enden, aber ihre Vollendung hängt von der Tätigkeit der Menschen ab. Diese Vollendung wird nur dann verwirklicht, wenn die Menschen durch gute Gedanken, Worte und Taten das Gute, Schöne und Wahre verbreiten, d. h. die Wahrheit über die Unwahrheit oder Spentman über Ahriman siegen lassen!
Bemerken muss ich noch, dass Zarathustra mit dem Wort Dämon keine fantastischen Wesenheiten meint, sondern er meint damit die Gegensätze der göttlichen Eigenschaften, wie Unreinheit, Unwahrheit, Ungerechtigkeit, Hass, Finsternis usw., oder deren personifizierte Aspekte, d. h. die Menschen, die mit solchen Eigenschaften behaftet sind. Oft ist in der Awesta mit dem Dämon der Ungläubige, der Gottlose, der Heide, der Anhänger der Unwahrheit gemeint und mit dem Fürsten der Dämonen der König oder der geistige Führer dieser Menschen. Durch diese Gegensätzlichkeit dieser beiden Prinzipien sind, wie Zarathustra sagt, das Leben und der Tod, das Licht und die Finsternis, das Paradies und die Hölle entstanden und daraus ein ewiger Kampf zwischen den beiden Prinzipien. Dieser Kampf wird solange andauern, bis die Mehrzahl der Menschen sich auf die Seite Ahuras, des Lichtes und der Wahrheit stellt und die Herrschaft der Dämonen, der Ungläubigen, der Unreinheit, der Unwahrheit und der Finsternis besiegen wird. Er predigt also eine die Welt bejahende Tätigkeit und den Kampf ums Dasein, aber nicht in dem Sinne, wie es in unserer heutigen Zeit die Wissenschaftler und die Politiker lehren, denn jener Kampf hat mit den Gewalttaten gegen andere Menschen und mit der Beraubung ihrer Freiheit und ihrer Existenz nichts zu tun. Jener Kampf um das Dasein verlangt die Überwindung der niederen Natur im Menschen selbst. Der Tiermensch soll besiegt werden, damit der Gottmensch sich offenbaren und weiterleben kann.
Dann sagt Zarathustra, dass die Weisheit Ahuras auch dem Vieh freigestellt hat, zwischen dem Ackersmann und dem Nomaden zu wählen, und das Vieh hat den Ackersmann zu seinem Schützer und Richter erwählt.
Dies ist ein Gleichnis, durch welches Zarathustra sagen will, daß der Kampf zwischen den beiden Geistern sich sogar auch im Tierreich bemerkbar macht, und wie das Vieh dem guten Prinzip folgt, indem es sich vom Ackersmann züchten und pflegen lässt.
Durch dieses Gleichnis will er auch noch die Menschen zur Ackerkultur ermutigen, denn diese war zu seiner Zeit und für sein Land die einzige fruchtbare Arbeit, die den Menschen glücklich machen konnte.
Es folgt dann ein Vers, in dem er wieder die Freiheit des Willens oder die Wahlfreiheit bei den Menschen betont und die Schöpfung des Menschen durch Ahura andeutet.
Er sagt, daß Ahura am ersten Tage die Menschen, die Seelen und den Geist geschaffen hat. Hiermit weist er auf die Dreigliederung oder Dreieinigkeit der menschlichen Natur hin, d. h. auf den Körper, die Seele und den Geist.
In dem darauf folgenden Satz weist er dann auf den Odem des Lebens hin, welchen Ahura in den menschlichen Körper einhauchte, und wodurch er die Tat- und Willenskraft schuf, welche den Grund der Selbständigkeit und Verantwortlichkeit des Menschen bilden.
Ja, er sagt, in diesem Augenblick, als der Mensch auf diese Weise geschaffen wurde und die Willenskraft erhielt, hat Ahura gewollt, dass ein jeder nach seinem eigenen Willen und Glauben handeln soll.
Daher sind schon von Anfang an durch diese Willensfreiheit einige der Wahrheit gefolgt und andere der Lüge.
Aber die Güte Ahuras veranlaßte Ihn, Seinen Engel der Liebe zu den Menschen, die noch im Zweifel waren, zu senden, um ihnen zu helfen, den richtigen Weg zu gehen. Damit will Zarathustra sagen, dass der Mensch seinen Weg nur durch die Liebe findet, denn die wahre göttliche Liebe täuscht sich nicht! Dies’ alles entspricht der Lehre der Erschaffung des Menschen im Mosaismus, Christentum und Islam.
Wie wunderbar schildert er dann den Unterschied zwischen den beiden Geistern, als er sagt, dass das Gute von den beiden Prinzipien, die am Anfang des Lebens anwesend waren, zu dem Bösen sprach:
“Wahrlich, unsere Gedanken, Lehren, Vernunft, Wünsche, Worte, Taten einerseits und unsere Seelen andererseits sind nicht ein und dasselbe!”
Fürwahr, wenn wir die innere Stimme unseres wirklichen und höheren Selbst wahrzunehmen fähig wären, hätten wir sicher dieselben ermahnungsvollen Worte gehört, denn letzten Endes wohnen ja diese beiden Geister in uns selbst. Diese Zwillinge sind nichts anderes, als unsere niedere und höhere Natur, das Irdische und das Himmlische in uns, Michael und der Drache, mit dem er kämpft, Siegfried und Hagen, Parsifal und Kundry, Baldur und Hödur usw.
Niemand kann den Unterschied zwischen Wahrheit und Unwahrheit und zwischen Licht und Finsternis schöner ausdrücken, als es Zarathustra hier getan hat. Man darf aber nicht vergessen, dass trotz dieser Gegensätzlichkeit diese beiden Kräfte Geschwister sind. Dann sagt er, dass er jetzt von dem sprechen will, worüber Ahura ihn im Anfang dieser Welt belehrt hat. Aus diesen seinen Worten geht hervor, dass er seine Seele als urewiges Wesen betrachtet, welches schon im Anfang der Schöpfung der sichtbaren Welt anwesend war, und er erinnert sich dessen, was er damals gehört hat.
In dem nächsten Vers verkündet er das, was er von dem Engel der Wahrheit gehört hat, und zwar die drei Wahrheiten:
1. Dass es Ahura Mazda ist, der diese Welt geschaffen hat.
2. Dass Ahura der Vater aller gutherzigen Landarbeiter ist. Hiermit will er seine Zuhörer, die meistens Landarbeiter und Bauern sind, und welche die dritte und niedere Klasse des Volkes bilden, ermutigen, trösten und würdigen, damit sie sich innerlich nicht minderwertig fühlen und trotz der Schmach und Verachtung, die sie von den anderen oberen Klassen zu erleiden haben, bewusst und überzeugt sein können, dass sie auch die Söhne Ahura Mazdas sind!
Hierin liegt die große und tiefe Weisheit, denn er sagt nicht, wie es in anderen heiligen Schriften steht, dass die Menschen Asche und Staub sind, und daß Adam ihr Vater sei, sondern er sagt, dass sie Gottes Söhne sind, gleich wie Jesus dies verkündet und sagt: “Vergesst nicht, dass Ihr alle Götter seid oder meine Brüder und Kinder des Lichtes.”
Dies ist auch eine Mahnung an den Kastengeist, der die Ehre und Erhabenheit auf die Klasse der Geistlichen und der Herrscher beschränken will wie dies bis vor kurzem bei den Hindus als ehernes Gesetz galt. Für Zarathustra ist ein jeder berechtigt, den höheren Grad der weltlichen sowie auch der geistigen Macht zu erreichen. Ein jeder kann sich an die Tafel der Götter setzen, wenn er sich dafür für würdig hält, denn alle Menschen sind ja Brüder und Söhne desselben Gottes.
3. Dass die Erde die fruchtbringende Tochter Ahuras sei. Das bedeutet, dass sich die Menschen, die Gottessöhne, mit den Töchtern Gottes vermählen sollen, d. h. sie sollen die Erde bearbeiten, bebauen und fruchtbar machen, und dies kann am besten durch die Landwirtschaft geschehen.
Ferner sagt er, dass Ahura denjenigen, die Seinem Propheten gehorchen, die Vollkommenheit und die Unsterblichkeit versprochen hat. Dieses sind die höchsten Güter, die der Mensch erreichen kann, und diese hat auch Jesus seinen Jüngern verheißen. Dann folgen Verse, in denen er einige Eigenschaften Ahuras aufzählt und sagt: “Ahura ist der Größte von allen, Er ist allbarmherzig und wünscht das Wohl aller Seiner Geschöpfe. In Seiner Hand liegen unser Gewinn und unser Verlust, und alle Wesen werden dies bald oder später erfahren.” Hiermit will er aber nicht sagen, dass die Menschen willkürlich belohnt oder bestraft werden, denn dies ist gegen sein Prinzip; er will damit nur sagen, dass von unseren Taten und Gedanken nichts verloren geht, sondern alles in Gottes Hand bleibt.
Dann folgen einige Anweisungen, wonach man Ahura und Seinen Heiligen Geist durch seine Tugenden zufrieden stellen muss. Man muss denjenigen verherrlichen, der den Namen Ahura Mazda trägt.
Man muss gegen die Dämonen und die Verächter der neuen Religion kämpfen. Dann wird diesen Gläubigen die Seele des Erlösers gleich einem Bruder, einem Freund oder einem Vater helfen!
Er sagt weiter, dass Ahura von jeder guten und bösen Tat weiß, sei sie offen oder verborgen geschehen. Mit dem Wort verborgen meint er die Gedanken, denn diese sind auch Taten, sie sind sogar die Ursachen aller Taten. Denn der Gedanke ist ein Kraftstrom des Geistes, den der Mensch in die Welt aussendet, bewusst oder unbewusst, und dieser geht nie verloren, wenn seine Wirkung auch für den Menschen verborgen bleibt.
Nietzsche sagt darum mit Recht: “Hüte Dich vor Deinen Gedanken und vor Deinen Hintergedanken.” Dann zeigt Zarathustra den Weg, den der Weise gehen soll, indem er sagt, dass nur derjenige das Reich der Unsterblichkeit erreichen wird, der die Unwahrheit fesselt und in die Hände der Wahrheit liefert.
Dies heißt nun, dass der Weise die Unwahrheit, Ahriman, besiegen und unterwerfen soll, um sie zu beherrschen, und nicht umgekehrt.
Nach dieser Verkündigung der ewigen Wahrheiten sagt er mit einer ergreifenden Liebe: “0, Ihr Menschen, wenn Ihr nach der urewigen Ordnung, die Ahura festgesetzt hat, leben würdet, so würdet Ihr künftig ein ewiges, fröhliches Leben haben!”
In den folgenden Versen will er seine Mission begründen, und so sagt er, dass er, da die Menschen den besten Weg nicht erkannt haben, zu ihnen als wahrhafter Führer kommt, um die heilige Lehre Ahuras zu verkünden.
Es folgen dann einige Verheißungen, in denen er die Gläubigen vor dem Befolgen der Lügen warnt.
Er verdammt aber auch nicht die Ungläubigen, sondern er sagt, dass auch sie so glücklich leben werden können, wenn sie nur ihre Taten von ihrem höheren Selbst leiten lassen wollten.
Dann sagt er, daß Ahura jenes feine Gewölbe geschaffen hat, um dort diejenigen sitzen zu lassen, die reine Gedanken geübt haben, und auch diejenigen werden bei Ahura sitzen, die durch ihre guten Worte und Taten das Reich der Wahrheit geschützt haben.
Also verkündet er als ewig lebendige Wahrheit und als die Grundlage aller Philosophie und aller Moral, dass das Reich Gottes die Stätte der reinen Gedanken, Worte und Taten ist, d. h. keiner kann zu diesem Reich kommen, als nur durch diese drei göttlichen Eigenschaften. Das bedeutet, dass ein jeder sich selbst die Bahn zum Himmelreich baut! Wenn in dieser Predigt Zarathustra von Ahura Hilfe für den Ackerbau verlangt, so kann dies sowohl weltlich, wie auch geistig aufgefasst werden. Denn, wie alle Gründer von Religionen erklärt haben, ist diese Welt wahrlich das Ackerfeld für die jenseitige Welt, und dort erntet man, was man hier gesät hat. “Ja”, sagt er, “Ahura Mazda wird alle Herrlichkeit dem schenken, der Ihn allein liebt und verehrt. Und das gesegnete Haus des Mazda, das Haus der Reinheit und der Wahrheit, wird nur dem geöffnet, dessen gute Taten anerkannt werden!”

(Yasna 30, 31, 45)
Y. 31, 1. 0 Ahura, nach Deinem Befehl will ich hier das Wort verkünden, welches zu hören denen unangenehm ist, die der Lüge gehorchend, alles, was zur Wahrheit gehört, vernichten wollen. Dem aber, der mit Treue an Mazda glaubt, sind meine Worte sehr genehm.
Y. 30, 1. Zu denen will ich sprechen, welche bereit sind, meine Worte zu hören! Der Weise vor allem muss diese Gesänge in seinem Herzen aufbewahren. Denn diese Lobgesänge sind Ahura und dem Heiligen Geiste gewidmet, und sie dienen auch allen denen zum Wohl, welche sie hören und welche durch die Wahrhaftigkeit das leuchtende Haus (das Paradies) erblicken werden.
Y. 30, 2. Hört diese erhabenen Worte, erkennt sie mit hellem Geist an!
Unterscheidet selbst, bevor der letzte Tag anbricht, zwischen den beiden Gesetzen der Wahrheit und der Unwahrheit! Ein jeder soll selbst seine Religion auswählen, damit es sein möge, dass ein jeder am Ende glücklich ist!
Y. 30, 3. Zwei Prinzipien sind am Anfang der Schöpfung in der Welt der Ideen wie Zwillinge offenbart. Das eine ist die Reinheit des Gedankens, des Wortes und der Handlungen, das andere ist die Unreinheit des Gedankens, des Wortes und der Handlungen. Der Weise soll von beiden das Gute und nicht das Böse für sich auswählen!
Y. 30, 4. Als diese beiden Prinzipien zusammentrafen, haben sie das Leben und den Tod geschaffen. (Die Reinheit hat das Leben und die Unreinheit den Tod geschaffen.) Darum werden zum Ende aller Dinge die Verehrer der Wahrheit zu dem schönsten Ort, dem Paradies, und die Anhänger der Lüge zu dem schlimmsten Ort, der dem Ort der Verwesung, geführt werden
Y. 30, 5. Von diesen beiden Prinzipien hat der Anhänger der Lüge die schlechteste Tat für sich erwählt. Der Anbeter der Wahrheit aber, der mit seiner guten Tat stets die Zufriedenheit Ahuras zu erlangen wünscht, hat den himmlischen Geist, die Vernunft, erwählt, welche mit dem göttlichen Ornament geschmückt ist.
Y. 30, 6. Zwischen diesen beiden Prinzipien konnten die Dämonen das Gute von dem Bösen nicht unterscheiden; denn in dem Moment, als sie sich berieten, erschien ihnen der Dämon des Betruges, und daher entschieden sie sich für den bösesten Gedanken. Darauf wandten sie sich zum Zorn, um durch diesen das Leben der Menschen zu vernichten.
Y. 30, 7. Und die Engel der göttlichen Macht, Reinheit und Wahrheit sind herbeigeeilt, um den Menschen zu helfen! Der Engel der Liebe hat dem Körper des Menschen Standhaftigkeit verliehen, damit er bei der Prüfung am letzten Tage als erster gerettet werde!
Y. 31, 9. Dein ist die Liebe, und Dein ist auch die Kraft, die das Vieh erschaffen hat,
Dein ist die Weisheit, o Ahura Mazda, der Du es dem Vieh freistelltest, bei dem Ackersmann oder bei den Nomaden Schutz zu suchen.
Y. 31, 10. Von diesen beiden hat das Vieh den strebsamen Ackersmann, der reinen Geist pflegt, als seinen gütigen Richter ausgewählt. Wer aber kein Ackersmann ist, der Nomade, wenn er sich auch danach drängt, wird doch von Deiner lobwürdigen Botschaft keinen Nutzen ziehen!
Y. 3 1, 11. In dem Augenblick, als Du, o Mazda, am ersten Tage durch Deine Weisheit den Menschen, die Seelen und die Denkkraft schufst, in dem Augenblicke, als Du Deinen lebendigen Odem, das Leben, in die materiellen Gefäße der Körper hauchtest, da, als Du die Tat und den Willen schufst, da hast Du auch gewollt, dass ein Jeder nach seinem Willen und nach seinem inneren Glauben handeln soll!
Y. 31, 12. So hat von Anfang an dieser seine Stimme mit überlegenen Worten erhoben, während jener seine lügnerischen Reden schrie. So war ein jeder gemäß seinem Herzen und seinen Gedanken, je ob er weise oder unwissend war. Dein Engel der Liebe, o Ahura, aber eilte von einem zum anderen und gab allen denen guten Rat, welche noch im Zweifel waren!
Y. 31, 13. Über jede gute Tat, offen oder verborgen, die einer Belohnung würdig ist, und über jede schlechte Tat, welche, wenn sie auch gering, größte Buße verlangt, weißt Du, o Ahura, durch Deinen Engel der Wahrheit Bescheid, indem Du alles mit Deinen hellen Augen überwachst.
Y. 30, 8. 0 Ahura Mazda, wenn die Zeit der Abrechnung für die Sünder kommt, dann wird der Heilige Geist das Reich der Unsterblichkeit für alle die vorbereiten, die die Unwahrheit gefesselt haben und in die Hände der Wahrheit lieferten!
Y. 30, 11. 0, Ihr Menschen, wenn Ihr nach der urewigen Ordnung, die Ahura Mazda festgesetzt hat, leben würdet, wenn Ihr wüsstet, welches die Herrlichkeiten dieser und jener Welt sind,
wenn Ihr wüsstet, welche Qualen und Verluste die Anbeter der Lüge erwarten und welches Wohlbehagen und welcher Gewinn den Anhängern der Wahrheit zuteil werden, dann würdet Ihr alle künftig ein ewiges, fröhliches Leben haben.
Y. 31, 2. Da Ihr den besten Weg, den Ihr auswählen solltet, nicht erkannt habt, komme ich selbst zu euch, Ihr beiden Gruppen der Menschheit, als jener Richter, dessen Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit auch Ahura Mazda bezeugt, damit wir alle nach der heiligen Lehre leben können.
Y. 45, 1. Ich will jetzt zu euch sprechen, hört zu, o Ihr, die Ihr von nah und fern hergekommen seid, um euch Erkenntnis zu verschaffen! Vernehmt mit Euren Herzen alles, was ich euch sagen werde. Denn Er, Ahura Mazda, hat sich mir offenbart. Er verhüte, daß der feindselige Lehrer und der Anbeter der Lüge mit seiner Zunge den falschen Glauben verbreite und das Leben der jenseitigen Welt vernichte!
Y. 45, 2. Ich will zu euch von jenen zwei Geistern (Prinzipien) sprechen, welche am Anfang des Lebens anwesend waren, und der Heiligere von diesen beiden sagte zu dem anderen, dem Unheiligen: “Wahrlich, unser Gedanke, unsere Lehre, unsere Vernunft, unser Wunsch, unsere Worte, unsere Taten und unsere Seelen sind nicht ein und dasselbe.”
Y. 45, 3. Ich will zu euch sprechen von alledem, worüber mich im Anfang dieser Welt der weise Ahura Mazda belehrt hat. Diejenigen unter euch, die sich nicht Seinem Gesetz, wie ich es denke und predige, hingeben wollen, werden am Ende des Lebens leiden!
Y. 45, 4. Ich will zu euch sprechen von dem, was für diese Welt das Beste ist! Ich habe von dem Engel der Wahrheit gehört, dass Mazda diese Welt erschaffen hat, dass er der Vater aller gutherzigen Landarbeiter ist und dass die Erde seine gute Tochter ist. Den allwissenden Ahura kann niemand betrügen.
Y. 45, 5. Ich will zu euch sprechen von alledem, was der allerheiligste Mazda zu mir gesagt hat. Dies sind die Worte, welche zu hören das Beste für den Menschen ist. Also sprach Ahura Mazda: “Diejenigen, die ihm (dem Propheten) zu Meiner Zufriedenheit gehorchen, werden durch das Wirken des Heiligen Geistes die Vollkommenheit und Unsterblichkeit erreichen.
Y. 45, 6. Ich will von Dem zu euch sprechen, Der der Größte von allen ist. Dies ist Ahura Mazda, Der, o Engel der Wahrheit, das Wohl aller Geschöpfe wünscht. Er hört die Huldigungen derjenigen, die Ihn anbeten. Ich habe Seine Anbetung von dem Heiligen Geist gelernt. Er hat mich aus Seiner Weisheit das Beste aller Dinge gelehrt.
Y. 45, 7. In Seiner Hand liegen der Gewinn und der Verlust. Alle Lebenden, alle, die da gewesen sind und die da kommen werden, werden es wissen. Die Seelen der Anhänger der Wahrheit werden dann immer glücklich sein. Aber die Anhänger der Lüge werden stets von der Qual und vom Schmerz ergriffen bleiben. All’ dies schafft Ahura Mazda durch Seine Macht.
Y. 45, 9. Ihr müsst Seine Zufriedenheit und auch die des Heiligen Geistes für uns erwerben; denn unser Wohl und unser Weh hängt von Seinem Willen ab. Ahura Mazda möge uns durch Seine Macht beim Ackerbau helfen, damit wir das Vieh und die Landarbeiter vermehren können, da wir durch den Engel der Wahrheit von dem reinen Geist befruchtet sind.
Y. 45, 10. Ihr müsst Denjenigen mit Eurer tugendhaften Verherrlichung loben, Der ewiglich den Namen “Ahura Mazda” trägt. Er hat durch Seine Engel der Reinheit und der Wahrheit versprochen, dass Er in Seinem Reich uns Vollkommenheit und Unsterblichkeit geben wird,
und in Seinem Hause uns von der Kraft und Standhaftigkeit genießen lassen wird.
Y. 45, 11. Darum, wer nunmehr die Dämonen und meine Verächter hasst und außer meinen treuen Gläubigen alle anderen missachtet (die Anhänger des Ahriman), dem wird die heilige Seele des erlösenden Richters helfen, gleich einem Freund, einem Bruder oder einem Vater, o Ahura Mazda!
Y. 31, 18. Keiner von euch darf den Worten und den Befehlen der Falschen, der Anbeter der Lüge, gehorchen, denn sie wollen die Familie, die Stadt und das ganze Land durch Not und Verderben bezwingen. Jagt sie mit den Waffen (der Wahrheit) von euch hinweg!
Y. 31, 19. Demjenigen muss man zuhören, der der Wahrheit teilhaftig ist, demjenigen Weisen, der das Leben vom Leid zu befreien vermag, demjenigen, der um die Wahrheit seiner Worte zu beweisen, feststehen wird vor dem glühenden Feuer, welches für den Richter der beiden Parteien entzündet wird!
Y. 31, 20. Von demjenigen, der dem Verteidiger der Wahrheit folgt, werden in der Zukunft lange Armut, Unglück, üble Nahrung, Jammer und Qual ferngehalten. Und auch Ihr, o Anhänger der Lüge, Ihr werdet dann auch so gut leben können, wenn Eure Taten von Eurem höheren Ich geleitet werden!
Y. 31, 7. Jenes Wesen, welches am ersten Tage an die Erleuchtung dieses feinen Gewölbes gedacht hat, ist das, welches durch die Kraft Seines Geistes die Wahrheit schuf. 0, Ahura Mazda, der Du ewiglich derselbe bist, jenes Gewölbe ist die Stätte derjenigen, welche Du ihrer guten Gedanken wegen dahin emporheben wirst!
Y. 31, 22. Dem Weisen und auch demjenigen, dessen Vernunft tätig ist, ist es bewusst, dass nur derjenige, o Ahura Mazda, Dein treuer Geselle wird, der mit seinen Worten und Taten das Reich der Wahrheit schützt!
Y. 31, 21. Ahura Mazda wird durch Seine vollkommene Macht die Gemeinschaft Seiner königlichen Vollkommenheit, Unsterblichkeit, Wahrhaftigkeit, Herrlichkeit und geistigen Reinheit nur dem schenken, der im Denken und Handeln Ihn allein liebt!
Y. 30, 9. Wir wollen, dass wir wie jene leben, welche die Menschen zur Wahrheit führen.
Mögen Mazda und seine Engel zu uns kommen und uns Hilfe und Wahrheit schenken,
damit unsere Gedanken den Punkt erreichen können, wo die Quelle der Weisheit liegt!
Y. 30, 10. Dann wird die Freude der Dämonen in der Welt der Lüge erschüttert. Aber die versprochene Belohnung in dem gesegneten Haus (Paradies) des Mazda, dem Hause der Reinheit und der Wahrheit, wird allen denjenigen gegeben, deren gute Taten anerkannt werden!

Die esoterische Erklärung dieser Predigt

Folge dem Licht, das Dich heimwärts führt, und verliere Deinen Weg nicht in der Dunkelheit. (Laotse)

Wie wir gesehen haben, enthalten diese Gesänge in sich versinnbildlicht die Schöpfungsgeschichte nach Zarathustras Weltanschauung. Wir werden jetzt erkennen, in welch wunderbarer Weise diese Lehre in ihren Grundzügen eine Ähnlichkeit mit der Schilderung des Alten Testaments zeigt und wie sich im Grunde genommen diese beiden Lehren ergänzen.
Aus der theosophischen und rosenkreuzerischen Weltanschauung wissen wir schon, dass die Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments nur allegorisch zu betrachten ist. Wir werden nun erkennen, dass die Schilderung des Alten Testamentes sich auf die ersten Rassen und besonders auf die dritte und vierte Wurzelrasse der Menschheit bezieht, nämlich auf die Lemurier und Atlantier, während die aus diesen Gesängen hervorgehende Weltanschauung Zarathustras auf die Entwicklungsgeschichte der fünften Wurzelrasse, der jetzigen arischen Rasse, Bezug hat. Um uns darüber klar zu werden, müssen wir uns zuerst die Schöpfungsgeschichte des Alten Testamentes in ihrem esoterischen Sinn vor Augen halten.
Ich gebe hier eine kurze Auslegung derselben:
1. Mit dem Wort Mensch oder Adam ist die ganze Menschheit oder es sind vielmehr die gesamten Seelen (Monaden) gemeint, welche die menschliche Gestalt als Hülle benutzen.
2. Der Garten Eden, der Wohnort der ersten Menschen, versinnbildlicht erstens die hyperboräische Region um den Nordpol, wo die ersten Menschen wohnten, und wo in jener weit entfernten Zeit ein warmes, mildes Klima und ein ewiger Frühling herrschte. Das war das Sonnenland, in dem der griechischen Sage nach Apollo, der Lichtgott, seine Erholungszeit verbrachte.
Zweitens stellt dieser Garten Eden auch den seligen Zustand jener damaligen Menschen dar, die noch keinen physischen Körper besaßen und keine Laster und kein Leid kannten, und welche, den kleinen Kindern gleich, durch die gütigen Hände der göttlichen Wesenheiten oder Engel geführt wurden.
3. Mit dem Essen der verbotenen Frucht des Baumes der Erkenntnis ist das Eindringen des Bewusstseins in die menschliche Seele gemeint. Dies geschah durch die Einverkörperung des Egos, des Geistes (höheren Manas) in die halbmateriellen Körper der dritten Rasse, denn die Seelen der ersten und zweiten Rasse waren intellektuell stumpf und unbewusst. Der Mensch wusste nichts von seinem physischen Körper und von seiner Umgebung. Diesen Zustand deutete das Alte Testament durch den tiefen Schlaf Adams an.
Diese in die Materie herabsteigenden Egos oder Monaden sind jene Funken göttlicher Intelligenz gewesen, die man Söhne des Geistes (Manasaputhra), Söhne des Feuers oder Urgeister, und die Strahlen des offenbarten Logos nennt. Sie haben den Menschen den Keim des Intellektes geschenkt.
4. Dieses Herabsteigen der geistigen Funken in menschliche Hüllen ist im Alten Testament durch das Gleichnis, dass die Söhne Gottes die Töchter der Menschen schön fanden, und sie zu Weibern nahmen, versinnbildlicht. Die Söhne des Geistes stellen die zeugende Kraft und die Körper die aufnehmende und gebärende Kraft dar.
5. Die Einverkörperung dieser göttlichen Funken in die Menschen erzeugte den Intellekt, die Kraft der Unterscheidung des Guten und des Bösen, d. h. die Erkenntnis. Diese Erkenntnis war an und für sich nicht gefährlich, sondern die Frucht derselben, die Wahlfreiheit zwischen Gut und Böse. Aber der Mensch war unerfahren und besaß keine große Willenskraft, darum fiel er seiner Schwachheit zum Opfer.
6. Dann führte diese Erkenntnis und das Unterscheiden zwischen Gut und Böse, Lust und Leid, die Menschen zur sinnlichen Leidenschaft, welche sie betrog. Diese Leidenschaft ist durch die Schlange dargestellt, weil sie durch ihre zarte Haut und ihren schillernden Körper die ahnungslosen Kinder anzieht, ihnen gefällt und sie betrügt. Hier müssen wir auch bemerken, dass die Schlange auf das Rückenmark, den Sitz der Leidenschaft, Bezug hat.
7. Diese Leidenschaft war auch im Grunde genommen nicht gefährlich, denn die Natur hatte damit bezweckt, erstmals eine neue Art Zeugungsfähigkeit in dem Menschen zu erwecken, und es geschah auch so. Die bis dahin zweigeschlechtig gebliebenen Menschen kamen damit zusammen, und sogleich fand die Trennung der Geschlechter statt.
Dieses stellt die Schöpfung Evas aus den Rippen Adams dar. Die moderne Wissenschaft lehrt auch, dass der Mensch zu einer Zeit zweigeschlechtig war, und dass sich allmählich ein Geschlecht auf Kosten des anderen entwickelt hat. Der menschliche Embryo ist sogar noch heute bis zu einem gewissen Punkte zweigeschlechtig, worauf ein Geschlecht vorherrscht, während das andere zurückbleibt, so dass jede Person die gegensätzlichen Geschlechtsorgane in rudimentärer Form hat und dadurch wirklich zweigeschlechtig ist, wie der Urmensch. Zweitens hatte die Natur mit der Schaffung der Leidenschaft oder Geschlechtskraft bezweckt, dass der Mensch diese Kraft für den Aufbau seines Gehirns und somit seiner geistigen Kräfte, besonders seiner Willenskraft verwenden sollte, damit seine geistigen Augen aufgetan werden und er wie Gott sein würde: Schöpfer und unsterblich.
Nun hat aber der Mensch diese ihm zum Zeugungszweck und zum Erwecken seines Bewusstseins gegebene Leidenschaft missbraucht und für die Befriedigung seiner Sinne verwendet, und dadurch ist er in die Macht der Sünde gefallen. Denn er hatte Erkenntnis, Wahlfreiheit und Verantwortlichkeit erhalten. Er war selbständig geworden.
Die Tiere folgen gehorsam dem Gesetz der Natur, und die Zeugung geht bei ihnen in bestimmten Jahreszeiten vor sich, wenn die Natur am günstigsten ist. Nur der Mensch handelt willkürlich, und anstatt den Gebrauch dieser göttlichen Kraft, welche ihm zu einem höheren Zweck gegeben ist, durch die Stellung der Planeten zu regeln, entheiligt er sie.
Daher ist die Seele des Menschen seit diesem Sündenfall mit Leid und Schmerz behaftet und in dem irdischen Körper gefesselt, und so wandert sie von der Geburt bis zum Tode und vom Tode bis zur Geburt, und weiß nicht, wie sie sich erlösen soll. Das deutsche Wort Leidenschaft ist sehr richtig und treffend gebildet, denn in der Tat, die Leidenschaft schafft nur Leiden. Darum bereute es Gott, die Menschen auf der Erde geschaffen zu haben. Wahrlich, bis zum Sündenfall kannte der Mensch weder Krankheit, noch Schmerz, noch Tod. Durch diesen Sündenfall ist die Seele von einem Königssohn zu einem Knecht erniedrigt worden.
Der Mensch muss endlich erkennen, dass er sich, so wie er selbst durch eigene Sünden gefallen ist, auch selbst wieder aufrichten muss und nicht auf äußere Hilfe warten soll, sondern er selbst muss sein Erlöser sein und sein Kreuz auch selbst auf seinen Schultern tragen.
8. Durch den Sündenfall und durch das Zustandekommen der Geschlechter wurde das Herabsteigen der Seele in die Materie vollzogen, und der Mensch war nunmehr mit einem dichten physischen Körper versehen. Der Geist hatte den Bau seines Tempels vollendet. Dies ist auch durch das Gleichnis versinnbildlicht, dass Gott, der Herr, Adam und seinem Weibe Röcke von Fellen machte und sie bekleidete.
9. Dies geschah bei der dritten Rasse, bei den Lemuriern; denn bis dahin besaßen die menschlichen Seelen oder richtiger gesagt die Monaden keinen grobmateriellen Körper, sondern nur eine ätherische Hülle. Sie waren also, wie das Alte Testament sagt, nackt, und schämten sich nicht, denn die Leidenschaft war noch nicht geboren.
10. Mit dem Herantreten der Leidenschaft und mit dem Sündenfall verlor der Mensch seine primitive Schuldlosigkeit und wurde von der göttlichen Seligkeit entfernt. Diesen Zustand stellen das Alte Testament und der Koran durch das Austreiben Adams und Evas aus dem Paradiese dar. Seitdem weilt die Seele wie ein verlorener Königssohn auf der Erde, bis sie eines Tages nach bitteren Erfahrungen in ihr Vaterhaus zurückkehren kann.
Und solange die Menschen Sklaven der Leidenschaft bleiben, solange werden sie auch die Glückseligkeit der Kindheit und der Schuldlosigkeit nicht wieder genießen dürfen. Sie werden nur dann Gott gleich werden und ins Paradies zurückkehren, wenn sie diese Leidenschaft geläutert und zu einer kosmischen, selbstlosen, alles umfassenden Liebe verwandelt haben.
Darum sagte Christus, dass, solange ihr nicht zum Kinde werdet, d. h. schuldlos wie das Kind, solange werdet ihr das Himmelreich nicht erreichen können.
Nach dieser kurzen Auslegung der biblischen Schöpfungsgeschichte wollen wir jetzt zu der Erklärung von Zarathustras Weltanschauung übergehen.
Ich habe bereits erwähnt, dass sich seine Lehre auf die fünfte, die arische Rasse bezieht.
In der Tat stand diese Rasse bei ihrem Erscheinen auf der Erde vor der Tatsache, dass der Sündenfall schon vor langer Zeit stattgefunden hatte. Der Geist war völlig in die Materie eingedrungen, und ein Teil der Menschheit war schon in den Abgrund der Sündhaftigkeit und der Bosheit gefallen.
Diesen Zustand versinnbildlicht Zarathustra, indem er sagt, daß der gute und der böse Geist schon im Anfang der Welt als Zwillinge anwesend waren. Für die Erlösung der Menschheit hatte dann das Verbot, von der Frucht des Baumes der Erkenntnis zu essen, keinen Sinn und keinen Zweck mehr. Sondern es war gerade das Gegenteil erforderlich, das Erwerben der wahren Erkenntnis und eines starken Willens, um die Bosheit zu überwinden. Die Menschheit war einigermaßen dafür reif geworden. Wie ich eben erklärte, hat die Erkenntnis des Guten und des Bösen an und für sich den Menschen nicht zur Sünde geführt, sondern das Bestehen des Bösen und der Leidenschaft ist es gewesen, welche den Sündenfall verursachten. Andernfalls wäre dieses Verbot in der Bibel unbegreiflich und sinnlos. Darum sagt Zarathustra, dass die Menschen nur dadurch böse geworden sind, weil sie keine wahre Erkenntnis besaßen und das Gute nicht von dem Bösen unterscheiden konnten, denn der Dämon des Betruges, die Schlange der Leidenschaft, erschien und verführte und betrog sie.
Daher verlangt sein Gebot das Erlangen einer wahren Erkenntnis, das Unterscheiden zwischen Wahrheit und Unwahrheit und zwischen Gut und Böse. In dieser Weise ergänzt er also die Darstellung der Bibel, und durch seine Lehre führt er die arische Rasse zu einer neuen Bahn der geistigen Entwicklung hin. Für diese Rasse bleibt aber nichts anderes übrig, als die wahre Erkenntnis zu erforschen, sie zu lieben, zu befolgen und zu unterstützen. Und dies kann nur dann mit Erfolg geschehen, wenn sie mit aller Kraft gegen die Herrschaft Ahrimans ankämpft.
Wenn er weiter sagt, daß der Engel der Liebe dem menschlichen Körper Standhaftigkeit gab, damit er zuerst gerettet werde, so versinnbildlicht er damit das Herabsteigen der Seele in die Materie und das Erbauen ihres physischen Körpers, d. h. das Bekleiden Adams mit Röcken von Fellen.
Denn durch diese Einverkörperungen werden die Seelen der Menschen schneller und früher entwickelt und am Ende der Welt zuerst erlöst. Er will hiermit die Furcht vor dem Sündenfall beseitigen und den Menschen Mut und Kraft verleihen, damit sie mit Zuversicht auf ihrem Weg der Entwicklung und Erlösung weiter schreiten. Mit dem Satz, dass die Engel der Macht, der Reinheit, der Wahrheit und der Liebe herabsteigen, um den Menschen zu helfen, weist er allegorisch auf das Herabsteigen der göttlichen Wesenheiten, der Herren der Flamme, von dem schon weit mehr entwickelten Planeten Venus hin, welche auf unsere Erde kamen, um die Menschheit zu lehren, wie es in der Geheimlehre dargestellt ist. Die Herren der Flamme stiegen von dem Planeten Venus herab auf die Erde zur Zeit der lemurischen Rasse (Wurzelrasse), um die Menschheit auf den Pfad der Entwicklung zu führen.
Mit dem Satz, dass Ahura seinen Engel der Liebe sandte, um den zweifelnden Menschen, die zwischen Gut und Böse schwankten, zu helfen, weist er auf die Gnade Gottes hin. Aber dieser Engel der Gnade, dieser Sohn Gottes, ist nicht gesandt worden, um die Menschen zu erlösen, sondern nur, um ihnen zu helfen, sich selbst zu erlösen. Andernfalls wäre das Gesetz der Kausalität gestört, und der Mensch könnte dann nicht mit seinen eigenen Füßen auf dem Pfad der Entwicklung weiter schreiten. Das Kind muss laufen lernen, auch wenn es oft hinfällt, und es muss wieder selbst aufstehen können, seine Kräfte anspannen und zur Tätigkeit bringen. Wenn nur das Kindlein wüsste, wie warm und liebevoll das Herz seiner Mutter für es schlägt und wie inbrünstig sie ihre Hände ausstreckt, um es zu empfangen und in ihre Arme zu schließen! Die Mutter kann nur helfen, den Weg zu zeigen, und trotz ihrer unermesslichen Liebe kann sie für ihr Kind nicht für immer gehen, sonst hindert sie das Wachsen und die Selbständigkeit ihres Lieblings.
Ja, wie Christus sagt, ein jeder soll sein Kreuz tragen und vollkommen werden, gleich wie sein Vater im Himmel vollkommen ist.
Das Hauptgewicht der Weltanschauung Zarathustras liegt aber in seiner Lehre von der Dualität der Urprinzipien. Mit dieser Lehre, welche die gleichzeitige Schöpfung Ahrimans und Spentmans, des bösen und des guten Geistes, verkündet, weist er aber im Grunde auf das Gesetz der Polarität hin.
Nach diesem Gesetz teilt sich das ganze Weltall in zwei gegensätzliche, einander bedingende und sich ergänzende Teile. Wie jeder Globus zwei Pole besitzen muss, so gibt es auch nichts im ganzen Universum, das nicht seinen Gegensatz besitzt, sei es in der materiellen oder geistigen Welt.
Wie die Erde ohne Himmel, die Nacht ohne Tag, der Norden ohne den Süden undenkbar sind, so sind auch das Licht von der Finsternis, das Leben vom Tod, der Geist von der Materie, die Erkenntnis von der Nichterkenntnis untrennbar. Alles hat seinen positiven und negativen Aspekt.
Diese Polarität finden wir auch in den Religionen und in den philosophischen Weltanschauungen.
So sind schließlich Zarathustras Ahriman und Spentman im Grunde nichts anderes, als Satan und Rahman des Islams, der Teufel und der Heilige Geist des Christentums, Apollo und Pluton der Griechen, Baldur und Hödur der Edda, die Purusha und Prakriti der Brahmanen, die Erkenntnis und die Nichterkenntnis der Buddhisten, die Kraft und der Stoff der Wissenschaft, das Licht und die Finsternis der Mystik, das niedere und das höhere Manas der Theosophie, das Konkrete und das Abstrakte oder das Subjekt und das Objekt der Philosophie usw. Überall herrscht also die Gegensätzlichkeit und die Zweiheit, und ohne sie könnte nichts in dieser Welt für uns wahrnehmbar sein. Wenn wir aber nun erkennen, dass eine dritte Kraft notwendig ist, um diese beiden Gegensätze miteinander zu verbinden, und die Weltharmonie zu ermöglichen, dann gelangen wir zu der Idee der Dreiheit.
Wir können uns dann die Gottheit in ihren drei Aspekten der Weisheit, der Liebe und des Willens oder der Allmacht vorstellen.
Auch diese Dualität Zarathustras kann dann als Dreiheit betrachtet werden. Denn der Gedanke, dass diese beiden Geister als Zwillinge geboren sind, erfordert das Vorhandensein einer gemeinsamen Mutter und eines Vaters, die dann mit ihren Zwillingen eine Dreiheit bilden. Hier ist der Vater Ahura selbst, und die Mutter ist der grenzenlose Raum oder die uferlose Zeit, die Urmutter der Schöpfung. Wie wir sehen, offenbart sich auch hier die Gottheit, wie im Christentum in ihren dreifachen Aspekten Vaterschaft, Mutterschaft und Sohnesschaft. Nur erscheint hier der Sohn in zwei Aspekten, als Licht und Finsternis, als Menschen- und als Gottessohn in einem Wesen.
Diese Vorstellung der Dreieinigkeit finden wir nicht nur im Christentum und bei Zarathustra. sondern wir finden sie auch in allen anderen Religionen und Weltanschauungen. So können wir sagen, dass die Brahmanen mit ihrem Vishnu, Shiva und Ishwara, das alte Ägypten mit Osiris, Isis und Horus, die Griechen mit Zeus, Hera und Apollo, die Zoroastrier mit ihrem Ahura, Zerwan und Spentman, die Christen mit ihrem Vater, Sohn und Heiligen Geist, die islamische Mystik mit ihren drei Aspekten Allahs, als Djelal (Herrschaft), Djemal (Schönheit) und Kemal (Vollkommenheit) und die Geisteswissenschaft mit ihren Gesetzen der Kausalität, der Polarität und der Harmonie, und die Philosophie mit Raum, Zeit und Kraft, alle immer ein und dasselbe meinen.
Aber nicht nur hinter dieser Dreiheit, sondern auch hinter aller Vielheit des ganzen Universums finden wir nur ein und dasselbe urewige Wesen. Alles entspringt Ihm und kehrt zurück zu Ihm. Es ist das Eine in Allem und das All in Einem.
Ja, das Geliebte hat nur ein einziges Antlitz, aber die Spiegel, die seinen Glanz aufnehmen und widerspiegeln, sind so zahlreich wie alle Atome des Weltalls.
Diesem einen urewigen Wesen haben die Menschen verschiedene Namen gegeben, wie Brahma, Ahura, Gott, Jehova, Tao, Allah usw. In ihrer Nichterkenntnis wissen die Menschen aber nicht, dass sie unter diesen verschiedenen Namen alle denselben höchsten Gott anrufen und dass alle Namen Ihm gleich sind, denn Er ist der Namenlose!
Andererseits ist uns wohl bekannt, dass jeder Mensch eine Welt im Kleinen, ein Mikrokosmos ist, und dass alles, was im Makrokosmos geschieht, sich im Menschen widerspiegelt. Ali, der vierte Kalif Mohammeds und der Meister aller islamischen Mystiker, hat gesagt: “Du glaubst, dass Du ein kleines Ding bist, und Du ahnst nicht, dass das ganze Weltall in Dir ist.” Nach dieser großen Wahrheit ist der höchste Sinn für das Dasein des Menschen die Entwicklung und in dem Maße, in dem der Mensch das in ihm verborgene Universum sich offenbaren läßt, in dem Maße entwickelt er sich! Der Mensch ist also eine kleine Welt für sich und gemäß dem Gesetz der Polarität ist er auch der Kampfplatz der beiden gegensätzlichen Kräfte oder Geister.
Darum haben die Eingeweihten aller Zeiten, die Mystiker aller Völker und die Begründer aller Religionen diese geheime Wahrheit denjenigen unter ihren Jüngern verkündet, die Ohren zum Hören und Herzen zum Wahrnehmen besaßen. Sie haben gesagt: “0 Mensch, wahrlich, in der tiefsten Tiefe Deiner Seele bist Du selbst diese Zweiheit und diese Dreiheit. In Deiner eigenen Brust wohnen Ahriman und Spentman, Luzifer und Christus, Satan und Rahman, Asura und Brahma, das niedere und das höhere Manas und der Menschensohn sowie der Gottessohn.” Ja, in Deinem eigenen Herzen, o Mensch, findet der Kampf zwischen diesen beiden Mächten statt, und der Sieg Spentmans über Ahriman, Christus über Luzifer und des Lichtes über die Finsternis, der sich eines Tages vollziehen wird, hängt von Dir selbst ab. Den Weg zu diesem höheren göttlichen Ideal zeigt uns Zarathustra, indem er sagt: “Überwinde Dich selbst! Befreie Dich selbst!” Ja, Du wirst im Sinne Nietzsches nur dann ein Übermensch sein, wenn Du dich überwunden hast! Wenn wir diese Lehre Zarathustras im Lichte der esoterischen Auslegung betrachten und erkennen, daß er die ewig lebendige Wahrheit verkündet hat, und wenn wir verstehen, daß seine Lehre für die heutige Menschheit und auch für die kommenden Generationen ein lebendiger Führer sein kann, dann werden wir das Recht haben, seine Predigt als eine Weltpredigt zu betrachten und durch Nietzsche den Geist Zarathustras rufen hören:
“Kommt, kommt, kommt! Lasst uns jetzo wandeln. Es ist die Stunde. Lasst uns in dem neuen Tag wandeln! Nun ist unser Morgen, unser Tag hebt an! Herauf nun, herauf, du großer Mittag!”

IV. Zarathustras Verlangen nach weiterer Erleuchtung

“Herr, zeige mir Deine Wege und lehre mich Deine Steige. Leite mich in Deiner Wahrheit, und lehre mich; denn Du bist der Gott, der mir hilft, täglich harre ich Dein.” (Psalm: 25, 4–5)
Inhaltserläuterung
Nachdem Zarathustra mit der ersten Predigt seine Lehre verkündet hat, tritt er in die Wirklichkeit seiner Mission ein.
Es treten viele wichtige Probleme auf, welche er alle lösen will.
Da seine Kenntnisse aber hierfür noch ungenügend sind, verlangt er von Ahura und seinen Engeln, dass sie ihn weiter belehren.
In folgenden Gesängen offenbart sich die tiefe Sehnsucht seiner Seele nach neuem Wissen! Seine Seele dürstet nach neuer, frischer Erkenntnis.
Über das Schicksal des Weltalls sowie über sein eigenes möchte er gern unterrichtet werden.
Er sagt, dass der Unwissende nicht verloren gehen darf, sondern belehrt werden muss.
Er bittet wiederholt um Verkündung des Willens Ahuras, über die Art der Verherrlichung und des Weges der Verbreitung seiner Religion.
In einem Vers sagt er, dass er durch die Macht des Gebetes den bösen Sinn fernhalten will. Hiermit weist er erstens auf die Wichtigkeit des Gedankens und die Gefahr der bösen und negativen Gedanken hin; und zweitens auf die Macht und Heilkraft des Gebetes und der Meditation.
Er fühlt sehr wohl die große Bedeutung seiner Mission und die gewaltige Verantwortung, die er auf sich genommen hat. Deshalb betet er zu Ahura, damit Er seine Zunge zur rechten Rede führt.
Mit der Frage: Wie soll ein Weiser handeln, wenn er seine Familie, seine Stadt und sein Land durch die Wahrhaftigkeit hochzubringen wünscht, weist er auf die heiligen Pflichten eines jeden Menschen hin, der sich die Weisheit aneignen will.
In der Frage selbst steckt die Antwort dafür, denn er sagt, dass dieses Hochringen durch die Wahrhaftigkeit geschehen wird.
Diese Wahrhaftigkeit ist die Pflicht aller Menschen und besonders die der Führer und der Herrscher. Denn ein Volk kann nur dann die Höhe einer Kultur erklimmen, wenn seine geistigen und sozialen Führer in der Erfüllung ihrer Aufgaben und ihrer Dienstbereitschaft wahrhaftig sind. Diese Wahrhaftigkeit bedeutet Selbstlosigkeit, Aufopferung für das Wohl der Allgemeinheit und eine über die Familiengrenzen hinausgehende und alle Menschen umfassende wahre Liebe.
Der zweite Gesang besteht nur aus Fragen über alle Dinge, über welche Zarathustra Wissen erlangen möchte, nachdem ihm Ahura erlaubt hat, alles das zu erfragen, was er zu wissen wünscht.
In diesem Gesang sind drei Arten von Gedanken und Betrachtungen enthalten. Zuerst hat Zarathustra einige Fragen gestellt, um überzeugt zu werden, dass alles, was ihm und seinen Gläubigen versprochen ist, auch erfüllt wird. Dann fragt er, ob er fähig sein wird, seine Feinde zu besiegen und ob die Macht des Ahura ihn zu schützen und den Feind zu vernichten vermag! Der dritte und letzte Teil des Gesanges ist rein philosophisch und dichterisch. Er besteht aus einigen schlichten, aber auch zugleich erhabenen und von Bewunderung erfüllten Fragen. Hierin erkennt man, mit welcher tiefen Weisheit und Betrachtung Zarathustra die kosmischen Herrlichkeiten und das soziale Leben des Menschen vor Augen stellt, und wie er auch nach der Lösung der Probleme der Schöpfung trachtet!

(Yasna 31–44)
Y. 34, 15. 0 Mazda belehre mich über das beste Wissen und die beste Tat. Verkündet mir, o Ihr Engel der Reinheit und der Wahrheit, die Art der Anbetungen, die ich erfüllen muss! Durch Deine Allmacht, o Ahura, gib, dass die Menschheit Deinen Willen erkennt.
Y. 34, 12. Welches ist Dein Gesetz, und was ist Dein Wille, welches Lob und welche Verherrlichung verlangst Du, o Mazda, o Wahrheit? Verkünde es mir, damit es alle hören und alle wissen, welche Belohnung und welche Strafe ihnen durch die Wahrheit gegeben wird!
Und zeige uns allen auch durch den Engel der Wahrheit den guten Weg der geistigen Reinheit!
Y. 31, 5. 0 Engel der Wahrheit, unterrichte mich über mein bestes Schicksal, damit ich es unterscheiden lerne, im Gedächtnis behalte und begreife, warum man mich beneidet!
Belehre mich, o Ahura Mazda, über alles das, was geschehen wird, und was niemals die Daseinsform annehmen wird!
Y. 31, 17. Wer ist der Größere? Der, welcher der Wahrheit folgt oder der, welcher der Lüge gehorsam ist? Der Weise soll dem Anderen davon Kunde geben! Der Unwissende darf nicht länger verloren bleiben! Du selbst, o Ahura Mazda, sei unser Lehrer in der Reinheit des Geistes!
Y. 33, 7. Es muss uns allen der Weg der Anbetung und der Erfüllung der ehrerbietigen Gebote bekannt werden! Welche Belohnung und welche Strafe wirst Du, o Mazda, durch den Heiligen Geist und das Feuer für diese beiden Parteien vorbereiten? Was ist das Los aller derjenigen, die sich auf dem Wege der Religion bemühen? Belehre mich darüber, o Mazda, durch Deine eigene Zunge und durch Deine Worte, damit ich dies den Bewohnern der Welt verkünden kann!
Y. 31, 6. Möge der beste Teil des Himmelreiches des Mazda, welcher durch die Keuschheit des Geistes besteht, demjenigen zuteil werden, der mich das heilige Lied des Engels der Wahrheit, über die Vollkommenheit und Unsterblichkeit, unterrichtet.
Y. 31, 4. Da ich zur Wahrheit gefleht und Mazda mit Seinen Engeln der Wahrheit und der Liebe um Hilfe gebeten habe, kann ich, o Heiliger Geist, wohl auf das Erreichen des Reiches der Ewigkeit hoffen und mit seiner Kraft den Dämon der Lüge besiegen?
Y. 33,4. 0 Mazda, ich bin derjenige, der durch die Macht des Gebetes den Ungehorsam und den bösen Sinn fernhalten will! Auch ich will von dem Adel die Selbstüberhebung, von dem Ackersmann die Lüge der feindlichen Nachbarschaft, von den Herrschern die Lästerer und von den Weiden des Viehs den bösen Wächter fernhalten!
Y. 33, 6. Ich bin derjenige Führer, der den Pfad der Wahrheit kennen gelernt hat.
Von den Engeln der geistigen Reinheit will ich nun lernen, wie ich am besten die Ackerkultur betreiben kann. In dieser Hoffnung wünsche ich die beiden Engel der Wahrheit und der Reinheit zu sehen und ihren Rat zu hören!
Y. 48, 3. Die Lehre eines Wohlwollenden, wie Du, o Mazda, der Du durch die Kraft Deines reinen Geistes die geheime Weisheit kennst, ist für den Weisen die beste aller Lehren, die er durch den heiligen Engel der Wahrheit erhalten kann.
Y. 49, 6. 0 Mazda, o Wahrheit, meine dringende Bitte ist diese: Verkünde mir den Plan Deines Willens, damit ich richtig unterscheiden kann, in welcher Art ich Deine Religion verbreiten kann, o Ahura!
Y. 50, 6. Dein Prophet, der Freund der Wahrheit, er hebt seine Stimme zu Deinem Lob, o Mazda, damit Du seine Zunge zur rechten Rede führest. 0 Schöpfer der Kraft des Geistes, belehre mich durch den Engel der geistigen Reinheit über Dein Gesetz.
Y. 31, 16. Ich frage Dich, o Ahura Mazda, wenn ein Weiser wünscht, seine Familie, seine Stadt und sein Land durch die Wahrhaftigkeit hochzubringen, und wenn er so werden will wie Du, wie soll er handeln und wann wird er dies Ziel erreichen?
Y. 31, 15. Ich frage Dich, o Ahura, welches ist die Strafe für denjenigen,
der nach der Herrschaft des Übeltäters und der Lüge strebt. Für jenen Übeltäter, der nichts anderes aus sich hervorbringen kann, als das Vieh und die Arbeiter des Ackermanns zu quälen, obwohl ihm der Ackermann kein Arges tut?
Y. 31, 14. Ich frage Dich, o Ahura, welches wird das Schicksal derjenigen sein, die nach dem Tagebuch ihrer Taten zu den Freunden der Wahrheit zählen? Und wie wird, o Mazda, die Strafe der Gehilfen der Lüge sein, in dem Moment, in dem die Abrechnung des letzten Tages herankommen wird?
Y, 44, 1. Ich frage Dich, o Ahura, fürwahr, belehre mich, wie man Dich anbeten soll?
0 Mazda, einer wie Du soll es Seinem Freunde, wie ich es bin, lehren! Und Du möchtest mich durch meinen Freund, den Engel der Wahrheit, unter Deinen Schutz nehmen, damit der reine Geist sich bei mir einstelle!
Y. 44, 2. Ich frage Dich, o Ahura, fürwahr, verkünde es mir, ob im Anfang des Lebens in der anderen Welt diejenigen, die gute und nützliche Taten geübt haben, belohnt werden oder nicht? Ja, er, der heilige Zarathustra, der ein Helfer und Freund des Lebens ist, wird alles, was aus den Menschen hervorgeht, in seinem Gedächtnis festhalten, o Mazda!
Y. 44, 6. Ich frage Dich, o Ahura, fürwahr, verkünde es mir, ob alles das, was ich den Menschen mitteilen werde, auch geschehen wird. Dass eines Tages die Engel der Wahrhaftigkeit und der Treue uns zu Hilfe kommen werden, und dass der Heilige Geist durch Deinen Befehl das Reich der Unsterblichkeit uns zuerkennen wird? Für wen sonst hast Du das Glück und die Freude geschaffen?
Y. 44, 8. Ich frage Dich, o Ahura, fürwahr, verkünde Deinen Willen, damit ich mich immer daran erinnern werde, o Mazda! Ich will die Gesetze des Lebens, die ich von den Engeln des reinen Geistes und der Wahrhaftigkeit lerne, ganz richtig verstehen. Ich will wissen, wie meine Seele der Freude gebenden Belohnungen teilhaftig wird?
Y. 44, 9. Ich frage Dich, o Ahura, fürwahr, verkünde es mir, ob den Seelen derjenigen Gläubigen, die ich vervollkommnen will, die Freuden Deines Reiches der Ewigkeit und eines Paradieses, in welchem Du mit dem Heiligen Geist wohnst, versprochen werden?
Y. 44, 10. Ich frage Dich, o Ahura, fürwahr, verkünde es mir, da die Religion der beste Gewinn für die Menschen ist, und da meine Religion mit der Wahrhaftigkeit verbunden ist,
ob diejenigen Hoffenden, welche mit guten Worten und reinen Taten meiner Religion folgen, Deine Gnade erhalten werden, o Mazda?
Y. 44, 11. Ich frage Dich, o Ahura, fürwahr, verkünde es mir, ob der reine Geist auch bei demjenigen, der Deine Religion offenbart hat, bestehen bleiben wird? Da Du mich von Anfang an auserwählt hast, werde ich alle anderen, die die Unwahrheit lehren, als Feinde betrachten!
Y. 44, 17. Ich frage Dich, o Ahura, fürwahr, verkünde es mir, ob ich durch Deine Gunst mein Ziel durchsetzen werde? Ob ich mich Dir werde nähern können, und ob meine Worte wirksam werden?
Auf dass, gemäß dem, was versprochen ist, die Vollkommenheit und die Unsterblichkeit dem Anhänger der Wahrheit zuteil werden?
Y. 44, 12. Ich frage Dich, o Ahura, fürwahr, verkünde es mir, wer ist von denen, mit welchen ich jetzt rede, ein Anhänger der Wahrheit und wer ein Anhänger der Lüge?
Auf welcher Seite steht wohl der Feind? Ist er derjenige, der die Unwahrheit schützt?
In welcher Art soll ich mit ihm verhandeln? Soll man ihn als Deinen Feind betrachten?
Y. 44, 13. Ich frage Dich, o Ahura, fürwahr, verkünde es mir, ob ich die Anhänger der Unwahrheit von mir wegjagen kann, und ob ich sie zu denjenigen Ungehorsamen schicken soll,die sich für den Wahrheitswillen keine Mühe geben wollen und nicht danach streben, von dem Heiligen Geist guten Rat zu erlangen?
Y. 44, 14. Ich frage Dich, o Ahura, fürwahr, verkünde es mir, ob ich fähig bin, den Dämon der Lüge in die Hände der Wahrheit zu liefern, damit sie, wie es in Deinem Gesetz verheißen ist, ihn auf Erden bezwingt und mit Qualen und Leid fesselt, damit dieser große Verlust unter seinen Anhängern einen wirkungsvollen Zusammenbruch ausübt?
Y. 44, 15. Ich frage Dich, o Ahura, fürwahr, verkünde es mir, ob Du mächtig genug sein wirst, den Feind mit der Hilfe der Engel der Wahrheit von mir fern zu halten, wenn die Krieger der beiden Gruppen sich treffen werden, wie es nach der ursprünglichen Bestimmung unvermeidlich ist? Welcher von diesen zwei kämpfenden Gruppen wirst Du Deinen Sieg schenken, o Mazda?
Y. 44, 16. Ich frage Dich, o Ahura, fürwahr, verkünde es mir, wer ist derjenige Sieger, der durch Deinen Befehl die Menschen unter den Schutz nehmen muss? Verkünde mir durch eine Inspiration, wer der erlösende Richter dieser Welt ist und zu dieser Mission beauftragt wird?
Ja, dies muss derjenige Richter sein, bei dem der Gehorsam und die Reinheit des Geistes ihren Sitz haben, jener Richter, den Du selbst erwünschest, o Mazda!
Y. 44, 3. Ich frage Dich, o Ahura, fürwahr, verkünde es mir, wer ist der, der am ersten Tag durch seine eigene Schöpfung der Vater der Wahrheit geworden ist? Wer ist es, der der Sonne und den Sternen ihren Weg gezeigt hat, und wer ist derjenige, durch dessen Licht der Mond einmal wächst und wieder abnimmt? Dieses und viele andere Dinge möchte ich wissen, o Mazda!
Y. 44, 4. Ich frage Dich, o Ahura, fürwahr, verkünde es mir, wer ist der, welcher diese Erde hier unten erhält und den Himmel dort oben, dass er nicht herabfällt? Wer ist der Schöpfer des Wassers und der Pflanze? Wer hat dem Wind und den Wolken dieses schnelle Eilen gelehrt? Wer ist, o Mazda, der Schöpfer des Heiligen Geistes?
Y. 44,5. Ich frage Dich, o Ahura, fürwahr, verkünde es mir, wer der Schöpfer der Finsternis und des nutzbringenden Lichtes ist? Wer ist der Schöpfer des Erwachens und des Ruhe gebenden Schlafes? Und wer ist der Schöpfer des Morgens, des Mittags und der Nacht, welche die Menschen zum Gebete rufen?
Y. 44, 7. Ich frage Dich, o Ahura, fürwahr, verkünde es mir, wer schuf den Engel der Herrschaft und der Liebe? Wer ist derjenige, der durch Weisheit die Verehrung zum Vater in das Herz des Sohnes gelegt hat? Ich bestrebe mich so, o Mazda, Dich durch den Heiligen Geist als Allschöpfer zu erkennen!
Y. 44, 18. Ich frage Dich, o Ahura, fürwahr, verkünde es mir, ob, o Wahrheit, die zehn Stuten, und von dem ein Kamel, und von dem ein Pferd, alles, was mir versprochen ist, auch gegeben wird, so gut, wie durch Dich Unsterblichkeit und Wohlfahrt versprochen wurden, o Mazda?
Y. 44, 19. Ich frage Dich, o Ahura, fürwahr, verkünde es mir, welches ist die Strafe für diejenigen, die in dieser Welt ihr Versprechen nicht erfüllen und die Löhne, welche als Entgelt für geleistete Arbeit und Dienste sind, nicht zahlen? Ich weiß, welche Strafe ein solcher Mensch in der anderen Welt erhält.
Y. 44,20. Ich will von Dir erfragen, ob die Dämonen (Devas) zu den guten Königen gehören, denn die Menschen sehen, wie die Priester Karpan und Usig, um ihnen zu gefallen, Grausamkeiten an der Kuh verüben und auch, wie die Fürsten Kawi, das Vieh immer jammern lassen, statt dass sie es pflegen und unter der Führung des Engels des Gesetzes zur Vermehrung der Ackerkultur verwenden.

V. Die Klage Zarathustras gegen seine Feinde und die Schwierigkeiten in der Verbreitung seiner Religion

Wer aber die Wahrheit tut, der kommt an das Licht, da seine Werke offenbar werden; denn sie sind in Gott getan. (Johannes: 3, 21)
Inhaltserläuterung

Diese Gesänge bestehen aus zwei Teilen. In dem ersten Teil spricht Zarathustra zu einer Volksmenge, in der die drei Klassen der Bevölkerung vertreten sind, zu Geistlichen, zu Adeligen und zu Bauern. Er sagt, dass diese seine Worte befolgen sollen, damit sie die Vergebung Ahuras erlangen können, und seine Zuhörer versprechen es ihm. Dann sagt er, dass Ahura diese Menschen, welche die Vergebung erlangen wollen, als die Seinen und als Seine Kinder betrachten wird. Er wendet sich dann zu den feindseligen Dämonen, den Ungläubigen, und er sagt, dass sie und ihre Taten von dem bösen Geist stammen, denn sie haben beschlossen, das ewige Leben der Menschen zu verderben.
Unter diesen feindseligen Gegnern nennt er besonders den Priester Karpan, den falschen Propheten Grehma, sowie den Fürsten Kawi.
Gegen diese Führer und Herrscher stellt er sich, weil sie Grausamkeiten gegen Menschen und Tiere verüben.
Darauf sagt er, dass der Weise keine solche Sünden begehen darf.
Er bezeichnet auch Yima, den alten, sagenhaften König, als Sünder, denn dieser hat die Menschen das Fleisch zu essen gelehrt. Zarathustra selbst hat das Essen von Fleisch nicht verboten, aber er empört sich gegen das Opfern des Viehes. Er ruft den Fluch Ahuras gegen diejenigen an, welche die Menschen von guten Taten zurückhalten. Trotz aller dieser Feindschaften der mächtigen Gegner verliert er seinen Mut nicht und sagt, dass dies das Schönste ist, dass Ahura über alle siegen wird, und dass es ihm gelingen wird, die Gräuel jener Feinde von Seinen Gläubigen fernzuhalten. Im zweiten Teil klagt er Gott, dass ihn die Feinde bedrohen, und er nicht weiß, wohin er fliehen und bei wem er Schutz finden kann.
Er jammert und ruft Ahura und Seinen Engel zu Hilfe. Ja, er fühlt und erlebt jenen furchtbaren Augenblick des Verlassenwerdens, den ein jeder Prophet und Verkünder der Wahrheit erlitten hat. Seine Seele ruft wie Jesus aus: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen? Aus seinem Herzen steigen jene klagenden Worte hervor, die Mohammed in seiner Verzweiflung und Mutlosigkeit gesprochen hatte: “Ich wünschte, dass mein Schöpfer mich nicht erschaffen hätte!” Er betrachtet seine Umwelt und sucht die Ursachen seines Misserfolges und seiner Schwächen zu erkennen. Er sieht und gesteht, dass seine weltlichen Güter, seine Landarbeiter und seine Herden nicht so zahlreich sind, wie die seiner Feinde.
Dies ist eine Art Versuchung, die er erlebt, und er ahnt in diesem Augenblick nicht, dass seine Macht viel größer und gewaltiger ist, als die der anderen.
Darum fragt er zweifelnd, ob die Wahrheit endlich siegen wird.
Er fleht zu Ahura und verlangt Schutz für sich und die Vernichtung seiner Feinde. Er sagt, dass die Wirkung der bösen Taten der Feinde auf sie selbst zurückfallen möge. Hiermit verkündet er eine tiefe Wahrheit, die an den alten Weisheitsspruch erinnert, welcher sagt: Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Auch auf das Gesetz weist er hin, dass eine jede Wirkung eine Rückwirkung nach sich zieht, und dass ein jeder Mensch das erlebt, was er zu erleben trachtet, oder zu erleben für seine Mitmenschen wünscht.
Zweifelnd fragt er, wann Ahura siegen werde, denn er weiß sehr wohl, daß der wahre Wirkende Ahura selbst ist und er selbst nur ein Werkzeug.
Das Schlimmste, das er bei seinen Feinden entdeckt und haßt, ist dies, daß diese nicht nach der Liebe trachten und keinen Rat von dem Heiligen Geist annehmen wollen. Dies zeigt die Höhe seiner moralischen Einstellung. Denn in der Tat, wer die göttliche Kraft der Liebe einmal erkannt hat, der kann nie Grausamkeiten verüben. Dann fragt er, wann die Engel der Liebe und der Wahrheit erscheinen werden und wann der Frieden mit diesen blutdürstigen Feinden endlich geschlossen wird. Leben wir heute nicht auch in einer ähnlichen Zeit? Ja, wie die leidenden Seelen der jetzigen Menschheit, so fragte auch damals Zarathustra, wann der neue Tag dämmern und wann die Menschheit sich zur Wahrheit wenden wird? Dennoch gibt er die Hoffnung nicht auf, denn er weiß, dass keine Nacht ewig dauern wird!
(Yasna 32 und 46–51)
Y. 32, 1. Um die Vergebung Ahura Mazdas zu erlangen, ist es nötig, dass die Geistlichen, die Adeligen und die Ackersleute und auch ihr, o Ihr Ungläubigen, das erstreben, was ich euch lehre! Sie antworten: “Ja, wir wollen als Deine Abgesandten alle diejenigen wegjagen, die Dir gegenüber feindselig sind.
Y. 32, 2. Euch (den drei oben genannten Klassen), erteilt Ahura Mazda, jener Schöpfer, der mit der Reinheit vereint und auch mit dem Lichte der Wahrheit eins ist, durch Seinen Engel der Herrschaft die Antwort: “Eurer tugendhaften und heiligen Treue wegen bin ich entschlossen, euch als die Meinen zu betrachten.”
Y. 32, 3. Aber Ihr alle, Ihr Dämonen und alle diejenigen, die euch und die Lüge und den Hochmut verehren, Ihr stammt von dem bösen Geist. Und auch Eure Taten, mit welchen Ihr euch in den sieben Ländern schon lange rühmen lasset.
Y. 32, 4. Und auch Ihr, die Ihr euch entschlossen habt, dem Menschen die bösesten Schmerzen aufzuerlegen, auch euch muss man zu den Lieblingen der Dämonen rechnen.
Denn Ihr seid von guten Gedanken fern, dem Willen des Ahura Mazda und dem heiligen Gesetz abgewendet!
Y. 32, 5. Ihr Dämonen, Ihr raubt den Menschen ihr gutes und ewiges Leben! Und dies tut Ihr durch die Taten, die euch Euer Führer Grehma mit seinen bösen Gedanken und Worten gelehrt hat. Und er ist es auch gewesen, der die Anbeter der Lüge belehrt hat, das menschliche Leben zu verderben!
Y. 32, 6. Durch unzählige Sünden ist es ihm gelungen, großen Ruhm zu erlangen, wie er es gewünscht hat.
Y. 32,7. Keine solche Sünde darf von einem Weisen stammen, denn es ist bekannt, dass durch die Prüfung mit dem geschmolzenen Metall (Feuerprobe) der Weise seinen Lohn und seinen Gewinn erhalten wird. Das Ende eines jeden Sünders aber weißt Du am besten, o Ahura Mazda!
Y. 32, 8. Wie bekannt ist, ist auch Yima, Sohn des Wivahant, einer von diesen Sündern.
Er ist es gewesen, der, um die Menschen zu befriedigen, sie das Essen von Fleisch gelehrt hat.
In der Zukunft musst Du, o Mazda, zwischen ihm und mir richten!
Y. 32, 9. Der verführende Lehrer vernichtet den Plan des Lebens und schändet das Gesetz.
Er verhindert es, dass man den Reingeistigen würdigt.
Y. 32, 10. Er ist derjenige, der das heilige Wort verschmäht hat.
Er verleumdet die Sonne und das Vieh, was man selbst mit den Augen wahrnehmen kann, beim Opferschlachten von Vieh. Er betrachtet die Aufgewachten als Lügner,
und er verwüstet die Viehweiden und gebraucht Waffen gegen die Anhänger der Wahrheit!
Y. 32, 12. Dein Fluch, o Mazda, treffe alle diejenigen, die durch ihre Lehre die Menschen von den guten Taten zurückhalten, und diejenigen, die mit Jubelgeschrei die Kuh zum Opfern schlachten. Zu diesen gehören Grehma und seine Anhänger, die vor der Wahrheit fliehen!
Und auch der Karpan und die Herrscher, die die Unwahrheit lieben!
Y. 34, 8. Darum bedrohen und erschrecken sie uns und alles dies aus Feindschaft gegen Deinen Willen. Und dadurch werden viele Menschen in Gefahr kommen, denn er ist mächtiger als ich, der Schwächere.
Von denen, die die Wahrheit nicht kennen, werden die Güter des Paradieses fern bleiben.
Y. 32, 11. Dies sind diejenigen, die nach der Vernichtung des Lebens streben.
Dies sind jene Anbeter der Lüge, die stets danach trachten, die Führer der Familie, diese Anhänger der Wahrheit, durch das Versprechen eines Gewinnes von den reinsten Gedanken fernzuhalten, o Mazda!
Y. 32, 9 11. Mit diesen meinen jammervollen Worten, die aus meiner Seele hervordrängen, klage ich vor Dir, o Mazda, o Wahrheit!
Y. 32,13. Wenn Grehma und diese Vernichter des Lebens in die andere Welt, in das Haus des bösen Geistes (Hölle) eintreten, und wenn sie dann jammernd nach der Botschaft Deines Propheten verlangen werden, dann wird diese Botschaft sie nicht mehr erreichen und sie werden das Antlitz der Wahrheit nicht erschauen dürfen.
Y. 32, 14. Seit langer Zeit verwenden Grehma und die Kawi alle ihre Gedanken und Kräfte, um Grausamkeiten zu verüben. Denn sie glauben, dass sie dadurch den Anbetern der Lüge helfen. Sie sagen, dass die Kuh zum Opfer geschaffen ist, damit der Trank, der den Tod fernhält, ihnen zur Hilfe eilt.
Y. 32,15. Darum lasse diese Karpan und das Geschlecht Kawi untergehen durch die Menschen, die solche Grausamkeiten von ihnen erlitten und sich dennoch nicht unterworfen haben! Diese Menschen werden durch Deine zwei Engel (Unsterblichkeit und Vollkommenheit) gerettet und in das Haus des reinen Geistes (Paradies) geführt!
Y. 32, 11. 0 Ahura, Du vergisst nicht den Dienst eines jeden.
Du weißt alles dies durch Deinen vollkommenen Geist.
Und in Deinem ewigen Reich, o Mazda, o Wahrheit, wird über dies alles Gericht gehalten!
Y. 32, 16. Das Schönste und das Lobenswerteste von allem ist aber dies, daß Du, o Ahura Mazda, über alles siegen wirst.
Und auch über denjenigen, der meine Vernichtung beabsichtigt.
Dadurch werde ich die Gräuel der Anbeter der Lüge von allen denen, die meinem Herzen nahe stehen, fernhalten.
Y. 46, 1. Zu welchem Land soll ich mich wenden, wohin soll ich mich begeben, und wo soll ich Zuflucht suchen? Die Adeligen und die Führer halten sich fern von mir. Ich bin auch nicht ganz befreundet mit den Ackersleuten und auch nicht mit den Anhängern der Lüge, die das Land beherrschen. 0 Mazda, wie werde ich Dich zufrieden stellen können?
Y. 46, 2. Ich weiß, o Mazda, warum ich hier keinen Erfolg haben kann, weil meine Herde und meine Leute wenig sind. Ich klage zu Dir, o Ahura, sieh selbst zu und unterstütze mich, einem Freunde gleich, der seinen Freund schützt. Und verkünde mir, welches die Belohnung des Gutes denkenden ist!
Y. 48, 2. 0 Ahura, belehre uns, denn Du bist der Allwissende! Wird, bevor die Vergeltung, die Du bestimmt hast, herankommt, der Anhänger der Wahrheit den Anbeter der Unwahrheit besiegen? Ja, denn dieser Sieg wird für die Welt eine Botschaft der Tugend werden!
Y. 46, 7. 0 Mazda, wen wirst Du noch außer Deinem Feuer und Deinem reinen Geist, durch deren Wirkung das Reich der Wahrheit erlöst werden wird, zu meinem Schutz beauftragen,
in dem Moment, da der Führer der Lüge sich für meine Vernichtung vorbereiten wird?
Verkünde meiner Seele solche Lehre!
Y. 46, 8. Verhüte, dass derjenige, der mein Dasein zu vernichten vorhat, durch seine Tat, mich einen Verlust erleiden lässt. Lasse die Wirkung seiner Feindseligkeit auf ihn selbst zurückfallen, so dass das gute Leben ihn verlässt, o Mazda.
Y. 48, 9. Wann werde ich es wissen, o Mazda, und o Engel der Wahrheit, dass ihr gegen den, der meine Vernichtung sucht, mächtig seid? Ich möchte genau wissen, welches die Belohnung des reinherzigen Menschen sein wird! Der Erlöser (Zarathustra) wünscht sein Los verkündet zu hören.
Y. 48, 10. Wann, o Mazda, werden die Adeligen die Botschaft erkennen? Wann wirst Du diesen berauschenden und schmutzigen Trank vernichten, durch welchen die Böses tuenden Karpan und die misshandelnden Herrscher mit Absicht die Menschen betrügen?
Y. 46, 11. Die Karpan und Kawi verführen die Menschen durch ihre Herrschaft zu üblen Taten, um ihnen ihr ewiges Leben im Jenseits zu vernichten! Aber wenn sich ihre eigenen Seelen und ihre Gewissen der Brücke von Tschinwat nähern werden, werden sie erschrecken. Sie werden ewiglich in dem Haus der Lüge (Hölle) bleiben.
Y. 51, 12. Er, dieser unwürdige Knecht, der Kawi, hat mich inmitten des Winters nicht aufgenommen, als ich mit Zugtieren, vor Kälte zitternd, bei ihm Schutz gesucht habe.
Y. 51, 10. Wer ist es sonst noch außer ihm, der sich für meine Vernichtung entschlossen hat, o Ahura? Er ist ein Sohn aus der Schöpfung der Lüge, und daher hegt er für die Wesen böse Absichten. Ich suche aber die Wahrheit mit allen ihren Vorteilen, und ich rufe sie zu mir!
Y. 51, 13. So hat die Seele des Anbeters der Unwahrheit die sichere Belohnung des wahren Weges verloren. Seine Seele wird auf der Brücke Tschinwat an dem jüngsten Abrechnungstage von Schrecken und Furcht ergriffen werden. Denn er hat durch seine Taten und Worte den geraden Weg der Wahrheit verlassen.
Y. 51, 14. Die Karpan wollen dem Gesetz der Landwirtschaft nicht folgen. Für die Qualen, die sie dem Vieh verursachen, lasse Dein Gericht sich aussprechen. Ob sie im Jenseits ihrer Taten und Worte wegen in das Haus der Lüge geführt werden oder nicht!
Y. 49, 1. 0 Mazda, o Wahrheit, der Fürst Bendwa ist immer ein Hindernis auf meinem Wege,
wenn ich die Verwahrlosten befriedigen und auf den wahren Weg führen will. 0 eile mit gutem Reichtum zu mir und sei mein Schutz. 0 Heiliger Geist bereite Bendwa das Verderben!
Y. 49, 2. Seit langem ist dieser verführende Bendwa, der einer von den Anbetern der Unwahrheit ist, ein Hindernis auf meinem Wege. Da er die Wahrheit nicht erkennt und somit der Wahrheit feindlich ist, daher strebt er nie nach dem Erreichen der heiligen Liebe! Und er denkt auch nicht daran, von dem Heiligen Geist Rat zu erlangen, o Mazda!
Y. 48, 11. Wann werden die Engel der Liebe und der Wahrheit und der Herrschaft erscheinen, welche die reichhaltigen Weiden und schönen Wohnungen besitzen? Wer sind diejenigen, die mit dem blutdürstigen Anbeter der Lüge den Frieden schließen werden? Wer sind diejenigen, die den reinen Geist anerkennen werden?
Y. 46, 3. Wann, o Mazda, wird der Morgen dämmern, und wann wird sich die Menschheit zu der Wahrheit wenden? Wann wird der große Retter durch seine weisheitsvollen Worte sein Ziel erreichen? Wer sind diejenigen, zu deren Rettung Dein Heiliger Geist eilen wird?
Ich hoffe sehr, dass Du mir dies zuteil werden lässt, o Ahura!

VI. Zarathustras zweite Predigt

Die Verheißungen und die Bedrohungen
Und was der ganzen Menschheit zugeteilt ist,
Will ich in meinem Innern selbst genießen,
Mit meinem Geist das Höchste und Tiefste greifen,
Ihr Wohl und Wehe auf meinen Busen häufen.
Und so mein eigen Selbst zu ihrem Selbst erweitern.
(Goethe, Faust)
Inhaltserläuterung

Die folgenden Gesänge enthalten die Verheißungen und die Bedrohungen, die Zarathustra für die Gläubigen seiner Religion und auch für die Anhänger der Lüge, Ahrimans, verkündet! Die Verse dieser Gesänge habe ich in drei Teile geordnet. In diejenigen Gesänge, in denen Zarathustra mit dem Volk redet, dann in diejenigen Gesänge, die sich auf ihn selbst beziehen und zuletzt in die Gesänge, in denen er zu Ahura spricht. Diese Verheißungen und Bedrohungen sind nicht in Einzelheiten dargestellt, sondern nur im Allgemeinen. Die Belohnungen und Strafen werden nicht nur am jüngsten Tag im Jenseits verteilt, sondern sie treffen auch schon in diesem irdischen Leben ein. Dies weist auf das Gesetz der Ursache und Wirkung hin, wonach eine jede Seele das bekommt, was sie selbst verursacht hat.
Es ist im Koran geschrieben: “Eine jede Seele liegt unter der Bürgschaft dessen, was sie selbst erworben hat.”
Für Zarathustra sind der Zorn und die Grausamkeit, sei es durch Worte oder Taten gegen Menschen oder Tiere, die bösesten Handlungen, welche die Dämonen und ihre Anhänger verüben können. Darum müssen die Gläubigen sich nicht nur vor solchen Taten hüten, sondern mit aller Kraft gegen diese kämpfen. Die Idee des Paradieses und der Hölle ist Zarathustra nicht unbekannt. Aber mit diesen Worten, esoterisch genommen, meint er keine sinnlich-materiellen Orte und Erlebnisse, sondern er versteht darunter, wie bei der Mystik aller Völker, einen seelischen Zustand. Daher bezeichnet er das “Paradies” als “das Haus der Reinheit”, “das Haus der Wahrheit”, “der Glückseligkeit”, “das Reich Gottes”, “das Haus der Vernünftigen”, “den Garten der Wahrheit”, “das geistige Reich” usw. Und die “Hölle” als das “Haus der Lüge”, “der Hässlichkeit”, “des bösen Geistes”, “der Dämonen”, “der Finsternis”, “der Ort der Verwesung” usw. Auch die Idee des “Fegefeuers” ist Zarathustra nicht fremd. Aber das Fegefeuer hat bei ihm eine andere Bestimmung und einen anderen Charakter. Dort werden die Seelen eintreten, deren Taten durch gute und böse gemischt sind, nämlich diejenigen, welche weder ins Paradies, noch in die Hölle geführt werden können, sondern in dieses Zwischenreich. Er sagt daher, dass diejenigen, deren Taten weder ganz gut noch ganz schlecht, d. h. nur halb gut und halb böse sind, abgesondert und ins Fegefeuer geführt werden.
Obgleich das Wort “Fegefeuer” in Pahlavisprache etwa “Ort der Ewigen” bedeutet, so ist aber damit der Ort gemeint, wo die Seelen wohnen werden, deren Taten immer im Gleichgewicht stehen. So ist auch mit der Hölle nicht gemeint, dass die Bewohner dieses Ortes dort ewiglich wohnen bleiben werden.
Denn nach den Grundprinzipien der zoroastrischen Religion werden ja endlich die Finsternis oder Ahriman und sein Heer durch Ahura Mazda und dessen Engel und seine Gläubigen besiegt werden und zum Ende kommen.
Mit dem Gedanken an die Hölle, das Fegefeuer, sowie an das Paradies, weist Zarathustra auf die drei Arten von Zuständen hin, in welchen sich jede Seele nach dem Tode befinden wird. Einige befinden sich im Zustand des Gewissensschmerzes, indem sie ihre verübten bösen Taten als grauenhafte Gestalten erschauen und leiden durch die Gewalt des ungetilgten Durstes ihrer Begierden und Leidenschaften. Andere befinden sich im Zustand des Gleichgewichtes, der Harmonie und des Friedens, und die letzten befinden sich in einem Zustand der Entzückung und der Glückseligkeit, in dem sie die Erfüllung ihrer heiligen und selbstlosen Wünsche erleben.
Alle diese Zustände sind aber die Rückstrahlungen oder Widerspiegelungen der Taten, Worte und Gedanken, die jede Seele in ihrem irdischen Leben geschaffen hat. Diese Zustände zeigen uns die Art des irdischen Lebens der Menschen, die sich in drei Gruppen teilen, in diejenigen, welche unbewusst leben, dann in diejenigen, die halbbewusst leben und zuletzt in diejenigen, die vollbewusst leben. Man kann sie vergleichen mit Schlafenden, Träumenden und Erwachten. Dieser Gedanke der Dreiheit der wirkenden Kräfte ist in der indischen Philosophie mit den drei Eigenschaften (Guna) der Materie ausgedrückt, nämlich Trägheit, Tätigkeit und Harmonie, welche in der Wissenschaft durch zentripetale, zentrifugale Kräfte und durch das Gleichgewicht angedeutet sind. In ethischer Hinsicht kann man auch diese drei Aspekte des menschlichen Lebens durch Dummheit, Klugheit und Weisheit ausdrücken, denn Weisheit entspringt der Vollerkenntnis, die Klugheit der Halberkenntnis (Das Wissen, das durch Denken erreichbar ist) und die Dummheit der Nichterkenntnis.
Man findet diese Zustände auch in der Natur in den Formen der festen, flüssigen und Gas-Substanzen. Man kann auch diese Zustände mit Nacht, Morgendämmerung und Tag vergleichen. Die Psychologie drückt diese Zustände durch das Unterbewusstsein, das Bewusstsein und das Überbewusstsein aus. So betrachtet, erkennen wir, dass alle Lebenserscheinungen der Menschen von einer dieser drei Kräfte stammen.
Wie der Mensch auf der Erde in einer dieser drei Entwicklungsformen lebt, so lebt auch jede Seele jenseits des Todes in einem zu ihrem irdischen Leben parallelen, sich anpassenden und aus ihm gebildeten Zustand. Dies ist auch derselbe Gedanke, der im Christentum durch die drei Welten der Finsternis, des Luzifers und des Christus dargestellt ist. Die heutige Menschheit lebt in der mittleren luziferischen Welt (Luzifer = Lichtträger). Sie hat die finstere und untere Welt überschritten, sie trägt das göttliche Licht in sich, aber sie hat es nicht entzündet und darum die Christuswelt, die Welt des reinen Lichtes, noch nicht betreten. Folglich befindet sie sich auf der mittleren Stufe der Entwicklung und wird daher durch die zentrifugale Kraft des Kosmos getrieben, d. h. durch Klugheit, Tätigkeit, Halbbewusstsein, Trübseligkeit, Leidenschaft, Halberkenntnis.
Sie weilt also noch in der Dämmerung und geht dem leuchtenden Tag entgegen. Dies ist der Sinn der antiken Lehre, dass der Mensch das Zentrum der Schöpfung sei, weil er gerade jetzt in dem mittleren Stadium der Entwicklung steht. Die Menschheit wird nur dann die dritte Stufe der Entwicklung, die Christuswelt, das Himmelreich, den hellen Tag, die Welt des Malkuts und des Nirwana erlangen, wenn sie ihre Gedanken, Worte und Taten, wie Zarathustra sagt, durch Reinheit und Wahrheit, d. h. durch den in ihr wohnenden göttlichen Geist, beherrschen lässt. Dann, und nur dann, wird sie Harmonie, Frieden, Vollbewusstsein, Selbsterkenntnis, Weisheit und Glückseligkeit empfangen. Dann erst wird sie erkennen, dass sie Ahriman, Luzifer und Christus in sich trägt, dass sie sich selbst ihre Strafe und ihren Lohn bestimmt, und dass sie sich selbst ihre Hölle und ihr Paradies schafft.
In dieser Predigt wird man noch bemerken, dass der größte Teil dieser Vergeltungen geistiger und spiritueller Art ist. Nur an einer Stelle spricht Zarathustra einmal von dem glühenden Feuer und geschmolzenen Metall, welche Ahura für die Anhänger der Unwahrheit als Vergeltung bereiten wird!
Dies könnte man auch allegorisch auffassen, und zwar als Feuerprobe, wie es in den Mysterien zur Reinigung und Einweihung der Seele der Neophyten in der antiken Welt bekannt und erforderlich war!
Die größte und ersehnte Belohnung ist bei Zarathustra immer die Vollkommenheit und die Unsterblichkeit, und dies ist in der Tat der Sinn und das Ziel des menschlichen Daseins! Um das Himmelreich Ahuras und die Vollkommenheit zu erlangen, gibt es nur einen einzigen Weg, und das ist der ständige Kampf gegen Ahriman und seine Anhänger. Das bedeutet Kampf gegen Unwahrheit und Unreinheit der Gedanken, der Worte und der Taten, d. h. gegen seine niedere Natur. Zarathustra sagt ausdrücklich, daß nur derjenige gerettet wird, der sich darum bemüht und nach seiner Lehre strebt. Er legt großen Wert auf die Reinheit des Geistes und auf Tätigkeit.
Für Zarathustra bleiben immer die Ackerkultur und die Landwirtschaft die wertvollste und segensreichste Beschäftigung. An einer anderen Stelle des Awesta sagt er, dass der Teufel, der an einem gut gepflegten Acker vorbeikommt, entsetzt von dannen flieht! Nach seiner Lehre ist es also nicht die Weltflucht, sondern die Weltüberwindung, die Weltreinigung, die zur Erlösung und zur Vollendung führt. Daher haben einige Denker mit Recht seine Religion die Religion der Tat und der Reinheit genannt.

(Yasna 33–51)
1. Zarathustra redet zum Volk!
Y. 51, 8. Ich will jetzt von zwei Dingen sprechen, o Mazda! Ja, es soll auch den Weisen mitgeteilt werden! Ich will reden von dem Unglück dessen, der der Unwahrheit folgt und auch von dem Glück derer, die sich zur Wahrheit wenden. Der Prophet ist mit dem zufrieden, der dies dem Weisen verkündet.
Y. 33, 1. Wie in dem Gesetz am ersten Tage angeordnet wurde, wird der Schöpfer mit dem Anbeter der Lüge und dem Anhänger der Wahrheit ganz gerecht verhandeln. Und auch mit dem, dessen Taten in gute und böse gemischt sind, je nachdem, wie viele davon richtig und wie viele falsch sind!
Y. 33, 2. Derjenige, der gegen die Anbeter der Lüge mit der Zunge, mit Gedanken oder mit den Händen kämpft, oder einen von diesen Untertanen auf den Weg der guten Religion führt, der wird die Zufriedenheit des Ahura Mazda erwerben für seine Rettung.
Y. 33, 3. Derjenige, der das Glück für die Anhänger der Wahrheit wünscht, sei er von der Klasse der Herrscher, der Adeligen oder der Ackersleute, und auch derjenige, der mit Eifer das Vieh verpflegt, der wird eines Tages in dem Garten der Wahrheit und der Reinheit (Paradies) wohnen dürfen!
Y. 51, 21. Wer Tugend übt, wird heilig! Ein solcher Mensch wird durch gute Gedanken, Worte, Taten und rechten Glauben mit der Wahrheit vereinigt. Ahura Mazda wird ihm durch den Heiligen Geist das Reich der Unsterblichkeit schenken. Nach diesem Reich geht auch mein Wunsch!
Y. 53, 1. Das beste Gut, welches man kennt, ist dieses, dass Ahura Mazda durch die Wahrheit mir die Herrlichkeit und ein ewiges und seliges Leben geben wird. Sowie auch allen denen, die mit Worten und Taten seiner guten Religion folgen werden.
Y. 34,9. Darum verachten einige Menschen den Engel der Frömmigkeit, der sonst von Deinen weisen Geschöpfen so geliebt wird, weil der reine Geist sie verlassen hat, und weil alle ihre Taten böse und hässlich sind. Der Engel der Wahrheit entfernt sich und flieht vor ihnen, gleich wie die wilden Tiere vor den Menschen!
Y. 51, 6. Möge Mazda nach der Beendigung des Lebens am jüngsten Tag in Seinem Reich der Unsterblichkeit alles Gute und Schöne dem schenken, der Seinen Willen erfüllt. Und möge Er den Übeltäter, den Ungehorsamen ist, bestrafen.
Y. 48, 6. Der Engel der Liebe, der mit dem reinen Geist geschmückt ist, hat für uns schöne Wohnungen vorbereitet. Er hat uns Kraft und Standhaftigkeit gegeben. Ahura Mazda hat bei der Schöpfung der Welt durch den Engel der Wahrheit die Pflanzen wachsen lassen.
Y. 48, 4. Wer einmal gut und ein anderes Mal schlecht denkt, und wer seine Seele durch seine Taten und Reden den Begierden und Wünschen unterwirft, der wird nach Deinem ursprünglichen Gesetz am jüngsten Tag abgesondert werden.
Y. 48, 7. Die Wut muss überwunden werden, aber Ihr müsst euch gegen die Grausamkeit verteidigen, o, Ihr, die Ihr Euch das Leben der Gutgesinnten wünscht. Der heilige Mensch, der mit der Wahrheit befreundet ist, wird durch diese in Deinem Hause eine Ruhestätte finden, o Ahura!
Y. 49, 4. Bei denen, die durch ihre Zungen unter ihren Freunden den Zorn und die Grausamkeit verbreiten und gegen die Viehzucht handeln, sind die bösen Taten und nicht die guten überwiegend. Sie werden ihres falschen Glaubens wegen zum Haus der Dämonen geführt.
2. Die Verheißungen, die sich auf Zarathustra selbst beziehen

Y. 49, 12. 0 Engel der Wahrheit und Du, o Heiliger Geist, welche Hilfe habt Ihr für mich, der zu euch fleht? 0 Ahura Mazda, mit meinen Lobliedern verlange ich nach Deiner Gnade und danach, was Dir am liebsten ist.
Y. 5 1, 1. Kann meine Seele nach dem Tode auf Schutz hoffen?
Ich bin sicher, dass ein solcher Schutz niemand anderes sein wird als die Wahrheit und der Heilige Geist, und besonders Du, o Mazda, der Du in dieser Welt mein Flehen vernommen und mich und meine Tiere beschirmt hast.
Y. 50, 5. Ja, o Ahura Mazda, und o Engel der Wahrheit, ein einziger erkennbarer Wink von euch kann mich zum Paradies führen. Eure Güte und Liebe ist für Euren Propheten sichtbar und ohne Zweifel!
Y. 48, 8. 0 Mazda, ist das schöne Land der Unsterblichkeit als Deine Belohnung für mich bestimmt? 0 Engel der Wahrheit, ist Dein Buch der Abrechnung bei der Abwägung der Taten am jüngsten Tag durch den Heiligen Geist auch nach dem Wunsche eines Treuen, wie ich, geschrieben?
Y. 50, 9. Betend und preisend stehe ich wieder vor euch, o Mazda, und o Engel der Wahrheit.
Nachdem ich nach meinem Dienst die erwünschte Belohnung erhalten werde, will ich Sorge tragen, dass auch die Gläubigen solche Belohnung bekommen.
Y. 51, 1. 0 Mazda, da Dein schönes und köstliches Reich demjenigen als Anteil der tugendhaften Wahrhaftigkeit gegeben wird, der mit Eifer die besten Taten ausübt, so möchte ich auch ein solches Los erwerben.
Y. 51, 2. Vor allem sichere mir, o Ahura Mazda, Dein eigenes Reich und das Reich der Unsterblichkeit, der Wahrheit und der Reinheit. Schenke dem dieses unschätzbare Reich durch den Heiligen Geist, der Dich anbetet.
Y. 51, 3. 0 Ahura, erhöre jene, die sich in ihren Reden und in ihrem Handeln an Deine Worte halten.
Und auch an die Worte Deiner Engel der Wahrheit und des Heiligen Geistes, denen Du selbst, o Mazda, der erste Lehrer bist.
Y. 51, 15. Die Belohnung, die ich für meine Bundesgenossen wünsche, ist die gleiche, die ich als Erster im Hause der Belohnung Ahura Mazdas erhalten werde. Um diese Belohnung zu erreichen, hoffe ich auf Euren Beistand, o Engel der Wahrheit und o Heiliger Geist.
Y. 33, 5. Ich bin derjenige, der nach der Vollendung dieses Lebens Deinen allergrößten Engel des Gehorsams zu Hilfe rufen wird, wenn ich auf dem Wege der Wahrheit in das Reich der Reinheit gelangen werde, wo Ahura Mazda wohnt.
Y. 34, 10. Ich, der Weise, ich habe die vernünftigen Menschen zu den Taten, die aus dem reinen Geist entspringen, geführt, und auch zu dem heiligen Engel der Liebe, durch welchen die Wahrheit wächst und gedeiht. Und besonders habe ich ihm Hoffnung gegeben, auf Dein geistiges Reich (Paradies), o Ahura Mazda!

3. Zarathustra spricht mit Ahura

Y. 48, 1. Wenn die Wahrheit endlich die Unwahrheit besiegt und alles das, was vorher verkündet war, den Dämonen und den Menschen zugeteilt wird, dann wird der Engel der Wahrheit durch Deine Gnade denjenigen erheben, der Dich anbetet, o Ahura!
Y. 33, 9. Dein Geist, o Mazda, soll den reinsten Gedanken dem schenken,
den ich auf den rechten Wegführen werde. Deine zwei Freude spendenden Gehilfen, durch welche sich das Reich der Wahrheit vergrößert und erhebt, werden mir sicher helfen, denn ihre Seelen sind vereint und einstimmig!
Y. 34, 11. Deine Gläubigen werden in dem Reiche der geistigen Reinheit (Paradies)
Deine zweifachen Güter, den Trank der Vollkommenheit und die Speise der Unsterblichkeit genießen, in jenem Reich, das durch die Wahrheit besteht und sich durch dieselbe immer mehr verbreitet und hochhält. So segnest Du, o Mazda, alle die, die Deine Feinde überwältigen!
Y. 34, 13. 0 Ahura, der Pfad der geistigen Reinheit, von dem Du mir sprachst und der von dem Licht der Wahrheit erbaut ist, ist jener Weg, auf welchem die Seelen der Weisen wandern,um den Lohn, den Du für die Klugen bestimmt hast, zu empfangen, o Mazda!
Y. 34,14. Ja, o Mazda, diese kostbare Belohnung wirst Du durch den Engel der Reinheit
auch in dieser irdischen Welt jenem schenken, der strebt und sich bemüht, wie es in Deinem gütigen Gesetz versprochen ist, in jenem Gesetz, das durch die Weisheit die Strebenden zur Vernunft und Weisheit führt.
Y. 51, 9. Welche Vergeltung, o Mazda, wirst Du für den Anhänger der beiden Gruppen durch die Flamme Deines glühenden Feuers und des geschmolzenen Metalls bereiten? Bestimme ein Kennzeichen für den Gutherzigen, den Verlust für den Anbeter der Unwahrheit und den Gewinn für den Anhänger der Wahrheit.
Y. 49, 5. 0 Mazda, die Freude und die Fülle wird jenen zuteil, die sich immer mit dem reinen Geist vereinigt haben. Und die sich durch die Wahrheit mit der Tugend befreunden, und allen denen, die in Deinem Reiche wohnen, o Ahura!
Y. 49, 11. Aber diejenigen, die den bösartigen Herrschern gehorchen, verüben böse Taten und haben schlechte Gedanken und ihr Glaube ist trübe. Die Seelen der Sünder mit den höllischen Speisen in der Hand werden dem Anbeter der Unwahrheit entgegengehen. In dem Hause der Lüge (Hölle) werden sie willkommen empfangen werden.
Y. 50,2. Mazda sagt: Diejenigen werde Ich am Gerichtstag in das Haus der Vernünftigen (Paradies) setzen, die dem heiligen Gesetz gemäß leben unter den Vielen, die das Sonnenlicht sehen!
Y. 50,4. Ich lobe und preise Dich, o Mazda, und Deine Engel der Wahrheit, der Reinheit und der Herrschaft, damit sie auf die Seelen der Gehorsamen warten werden auf der Brücke Tschinwat, die zu dem von dem Gläubigen ersehnten Haus der Belohnung führt.
Y. 51, 4. Wo liegt die Vergeltung der Leidenden und wo, die Vergebung für den Sünder?
Wo werden sie die Wahrheit erreichen, und wo werden sie den heiligen Engel der Liebe anschauen? Ja, nur dort wo Dein Reich der Unsterblichkeit (Paradies) liegt.
Y. 51, 5. Dann frage ich Dich, ob auch der aufrichtige und vernünftige Ackersmann durch seine Wahrhaftigkeit das Gut der Unsterblichkeit erlangen wird? Ja, wenn er dem gehorcht, von dem Dein wahrer und weiser Richter geredet und Seine Belohnung und Strafe verkündet hat.

VII. Die Bekehrung des Königs Gushtasp und seines
Ministers und der Sieg Zaratustras

Nichts kann keimen ohne Saat. Niemand kann die Glückseligkeit erlangen, ohne vorher die Taten erfüllt zu haben, welche zur Glückseligkeit führen. (Mahabaratha, Shanti Parva)
Inhaltserläuterung

Vor den Schwierigkeiten, Verachtungen und Verhöhnungen, die er zu erleiden hat, fleht Zarathustra zu Gott und verlangt nach einem machtvollen Herrscher, der die Feinde besiegt und den Frieden herstellt!
Er verheißt den Fürsten, den Gläubigen und den Verteidigern der neuen Religion alles Gute, das Ahura vorbereitet und versprochen hat.
Endlich erfahren wir hier, dass der König Gushtasp sich bekehrt hat und die neue Religion unter seinem Volke schützt und verbreitet.
Zarathustra hofft, dass auch der Fürst Farian aus Turan sich bald bekehren wird.
Der adelige Frashaostra, der nun der Schwiegervater Zarathustras wird, ist auch bekehrt. Und auch sein Bruder Djamasp, der Minister des Königs Gushtasp, hat die neue Religion angenommen, und er heiratet später die jüngste Tochter Zarathustras.
So wird die neue Religion verbreitet, und Zarathustra verkündet begeistert, daß, wer sich ihm gegenüber feindselig zeigt, auch als Feind betrachtet wird, denn so ist der Wille Ahuras, und so ist der Entschluss seiner Vernunft.
Aber wer ihm folgt und das heilige Gesetz erfüllt, dem wird im kommenden Leben das Reich der Ewigkeit geschenkt. Er betet für den König, für Frashaostra und für Djamasp, und bittet Ahura, ihre Wünsche zu erfüllen.
In einem Vers sagt er, dass die Böses tuenden Menschen zu den Betrogenen gehören. Solche Menschen werden in der Tat durch die Nichterkenntnis, Unwissenheit und geistige Blindheit betrogen, denn sie ahnen leider nicht, dass ihre Bosheit zu ihnen selbst zurückkehren wird, und dass sie selbst darunter leiden müssen. Sie wissen nicht, dass alle ihre Leiden und ihr Unglück die Folgen und Rückwirkungen ihrer eigenen jetzigen und vergangenen Gedanken, Worte und Taten sind.
In einem anderen Vers sagt er, dass dort, wo die Wahrheit mit der Liebe vereint ist, der Erfolg eintritt. Fürwahr, die Liebe, welche von der Wahrheit entfernt ist, kann nur Unglück gebären, und die Wahrheit, welche die Liebe nicht in sich trägt, ist nur eine Maske für Trug und Falschheit.
Dann sagt er auch, dass nur die gerechten und guten Könige herrschen sollen, und sie sollen ihre Herrschaft durch gute Taten und Lehren ausüben. Wahrlich, wenn bisher die herrschenden Männer der Völker einen hellen Geist und ein reines Herz gehabt hätten, dann wäre die Menschheit längst erlöst und hätte längst den ersehnten Frieden gefunden.
(Yasna 45–53)
Y. 49, 3. 0 Mazda, der Grund meines Glaubens wurde durch die Wahrheit gelegt und daher ist er nützlich.
Der Grund des falschen Glaubens aber ist durch die Lüge gelegt, um den Schaden zu schaffen. Darum will ich, dass sich die Menschen zu dem reinen Geist wenden und alle ihre Beziehungen zu der Unwahrheit abbrechen.
Y. 46, 4. Der Führer der Lüge will nicht, dass die Anhänger der Wahrheit das Vieh in den Städten und auf den Dörfern züchten und vermehren. Er ist derjenige Führer der Lüge, der mit dem Übel bekannt ist, und alle seine Taten sind schlecht.
0 Mazda, wer ihn aus der Herrschaft stürzt oder sein Leben vernichtet, soll ein Führer werden und den rechten Weg der Religion verbreiten.
Y. 46, 5. Wenn es einem Weisen, der Anhänger der Wahrheit und des Gehorsams zum Gesetz ist, gelingt, einen Anhänger der Lüge zur Religion zu bekehren, und dieser letztere verlässt seine bisherige Konfession,
ein solcher Weiser soll einen von den Adeligen benachrichtigen, damit dieser ihn gegen die Verfolgung der anderen schützt, o Ahura Mazda.
Y. 46, 6. Wenn man von einem Menschen Hilfe verlangt, und dieser erfüllt die Bitte nicht, so soll er unbedingt mit solchen Geschöpfen auferstehen, die die Anhänger der Lüge sind.
Denn so ist er selber der Freund und der Verteidiger der Lüge. Derjenige aber ist Anhänger der Wahrheit, der einen solchen verehrt, wie Du es im Anfang bestimmt hast, o Ahura!
Y. 46, 9. Wer ist derjenige Treue, der uns zum ersten Male gelehrt hat, dass wir Dich als Weisesten anerkennen sollen, und Dich als heiligen und gerechten Richter für die Taten der Menschen annehmen? Wir wollen durch Deinen Engel des guten Sinnes das hören, was der Schöpfer der Tiere dem Engel der Wahrheit verkündet hat.
Y. 46, 10. 0 Ahura Mazda, schenke denjenigen unter den Männern und Frauen, die um meinetwillen das erfüllen, was Du als das Beste im Leben bezeichnet hast, Dein Reich durch den Heiligen Geist als Belohnung für ihre Wahrhaftigkeit. Mit allen denjenigen, die ich zu Deiner Anbetung veranlassen will, werde ich die Brücke des Scheiders (Tschinwat) überschreiten.
Y. 53, 8. Die Böses tuenden gehören sicher zu den Betrogenen und werden notwendigerweise zur Vernichtung verurteilt. Sie werden sich alle dagegen erheben. Es ist ein guter Herrscher nötig, damit er sie ergreifen und verderben lässt und auf diese Weise den Frieden und die Sicherheit des Landes herstellt.
Es ist zu wünschen, dass der allmächtige Gott sie bestraft und sie zu Tode führt.
Y. 53, 9. Der Ort der Verwesung (die Hölle) ist dem bestimmt, der ungläubig bleibt. Diese Verächter des heiligen Gesetzes beabsichtigen, den Gläubigen zu vernichten. Ihre Körper sind von den Sünden beschmutzt. Wo ist der wahre Wächter des Gesetzes, jener gerechte Herrscher, damit er ihnen ihr Leben und ihre Freizeit raubt? 0 Mazda, Dein ist die Allmacht, durch die Du allein den armen Guten zu belohnen vermagst!
Y. 46, 12. Wenn die Wahrheit durch das Streben des Engels der Liebe, der das Paradies schmückt, bei den Enkeln und Nachfolgern des Fürsten Farian aus Turan erscheinen will,
dann wird der Heilige Geist sie zum Reich der Unsterblichkeit führen.Und am jüngsten Tag wird Ahura Mazda sie unter Seinen Schutz nehmen.
Y. 46, 13. Wer von den Menschen durch Gehorsam, Spitama Zarathustra zufriedenstellt, ist würdig, einen guten Ruhm zu erreichen.
Einem solchen Menschen wird Ahura Mazda ein ewiges Leben geben. Und der Heilige Geist wird ihn in dem erhabenen Paradies sitzen lassen. Ich betrachte einen solchen Menschen als einen guten Freund der Wahrheit.
Y. 48, 5. Nur die guten Könige sollen uns mit guten Taten und Lehren regieren. Und nicht die bösen Fürsten dürfen über uns herrschen. 0 Engel der Liebe, Lobwürdigster von allen, schmücke das Leben der kommenden Welt. Bereite die Erde für das Vieh vor und pflege es für unsere Ernährung.
Y. 48, 12. Nur diejenigen können als Beschützer der Länder gerechnet werden, o Engel der Wahrheit und der Reinheit, die nach Deinem Gesetz streben und durch ihre Taten ihre Pflichten erfüllen, o Mazda! Dies sind diejenigen, die für die Vernichtung des Zornes beauftragt sind.
Y. 46, 14. 0 Zarathustra, welcher von den Anhängern ist Dein Freund in der Einheit des Glaubens, und wer ist der, der einen guten Ruf erreichen wird? Das ist der König Gushstasp, der ein Helfer der Religion geworden ist. Er ist der, der bei Dir im Paradies leben wird, o Ahura Mazda.Er ist derjenige, den ich mit den Liedern der Reinheit des Geistes loben will.
Y. 50, 3. 0 Mazda, wird er (der König Gushtasp) alles das, was ihm durch den Engel der Herrlichkeit und den Heiligen Geist versprochen ist, von dem Engel der Wahrheit erhalten?
Er, der seine Nachbarländer, die noch Anhänger der Lüge waren, zur Religion bekehrt hat?
Y. 51, 16. Der König Gushtasp hat auch für seine Untertanen das heilige Gesetz ausgewählt.
Er hat den Pfad der geistigen Reinheit, den der heilige Ahura gezeigt hat, betreten.
So ist zu hoffen, daß alles nach unserem Wunsche in Erfüllung geht.
Y. 48, 7. Du, o Wahrheit, schenke mir den Lohn und die Herrlichkeit des reinen Geistes!
Und Du, o Engel der Liebe, erfülle meine Wünsche und auch die des Königs Gushtasp!
Und Du, o Mazda, o mein Herr, gib, daß Dein Prophet mehr Anhänger findet!
Y. 49, 7. Möge der Heilige Geist und der Engel der Wahrheit dies hören, o Mazda!
0 Ahura, vernimm es: Wenn einer von den Führern und Adeligen sich zu dieser Religion bekehrt, so wird er dadurch einen guten Ruf unter dem Volk erlangen.
Y. 46, 15. Ich will Dir von Hitschtaspa und Spitama (Urväter von Zarathustra) Kunde geben, damit Du die Vernünftigen von den Unvernünftigen unterscheiden kannst.
(Hier fehlt eine Zeile im Urtext)
Denn gemäß dem ersten Gesetz des Ahura, wirst Du durch diese Taten die Wahrheit erwerben!
Y. 51, 17. Frashaostra Hoagwa hat mir seine teure und würdige Tochter zur Frau gegeben.
Möge der allmächtige große Herr Ahura Mazda ihn, seines reinen Glaubens wegen, zum Reich der Wahrheit führen.
Y. 49, 8. 0 Ahura Mazda, ich bitte Dich, dass Du Frashaostra befähigst, mit der Wahrheit sich zu vereinigen, und dass Du mir das Gut Deines Reiches der Unsterblichkeit schenkst. Ich möchte für alle Zeiten Dein Sendbote bleiben.
Y. 46, 16. 0 Frashaostra Howagwa, eile mit diesen Tugendhaften nach der anderen Seite.
Wir beide hoffen, dass Ihr Erfolg haben werdet, da, wo die Wahrheit mit der Liebe vereint ist, in dem Land der Unsterblichkeit, das den Reingeistigen gehört, dort, wo Ahura Mazda zur Verteilung des Wohlbehagens thront.
Y. 48, 8. 0 Du, der Du das Beste von allem bist und dessen Wille mit dem Willen der höchsten Wahrheit eins ist! Von Dir erbitte ich für den Helden Frashaostra, für mich und für alle diejenigen, die Du willst, das beste aller Dinge, das ewige Gut der geistigen Reinheit.
Y. 51, 18. Auch der große reiche Djamasp hat sich zu dieser Lehre und zu dieser Wahrheit bekehrt. Ja, nur derjenige wendet sich zu diesem Reich der Unsterblichkeit, der im Innern rein ist. Ich erbitte von Dir, o Ahura Mazda, daß Du für diese ein fester Schutz wirst.
Y. 49, 9. Derjenige Segensreiche (Djamasp), der für das Erfüllen des Guten geschaffen ist, folgt diesem göttlichen Befehl,
denn er ist der Anhänger des wahren Gesetzes.
Er muss die Menschen, die mit den Anbetern der Unwahrheit verkehren, nicht achten.
Derjenige, der seine Seele mit der Wahrheit in Einklang bringt, wird am jüngsten Tag die beste Belohnung erhalten, o Djamasp.
Y. 46, 17. 0 Diamasp Howagwa, dort bei Ahura werde ich von Deinem Verlust sprechen und nicht von Deinem Gewinn. Ich werde von Deinem Dienen, Deiner Anbetung und von Deinem Gehorsam sprechen bei dem, der zwischen den Vernünftigen unterscheidet. Bei jenem Ahura Mazda, dem die Wahrheit sein allwissender Berater ist.
Y. 51, 19. Mediomah (sein Vetter aus der Familie Spitamü), hat die Religion angenommen, nachdem er die Wahrheit innerlich begriffen hat. Er wird denjenigen, die für die geistige Welt streben, verkünden, dass die Annahme des Gesetzes des Mazda das beste aller Dinge in diesem Leben ist.
Y. 46, 18. Wer zu mir kommt, dem werde ich das versprechen, was ich selber durch den Heiligen Geist als Bestes besitze. Aber wer sich gegen mich feindlich zeigt, dem werde ich auch feindlich sein. Hier erfülle ich das, was Dein Wille ist, o Mazda und o Engel der Wahrheit!
Dies ist mein Entschluss durch meinen Verstand und durch meine Vernunft.
Y. 46, 19. Derjenige, der meinen besten Wunsch nach dem heiligen Gesetz erfüllt,
der wird in dem kommenden Leben, in dem Reich der Ewigkeit von den unzählbaren Gütern genießen dürfen. Dies wirst Du mir ermöglichen, o Mazda, der Du am besten zu wirken vermagst.

VIII. Zarathustras Rede bei der Hochzeit seiner Tochter

Wer in Tugend pflanzt, wird nicht entwurzelt. Wer an der Tugend festhält, lässt sie nicht los. Seine Nachkommen werden ihn beständig versehen. (Laotse)
Inhaltserläuterung

Dieser Gesang kann als eine Spezialpredigt betrachtet werden. Leider ist uns nur ein kleines Stück von dieser wertvollen Predigt übrig geblieben.
Hierin sehen wir, daß Zarathustra seiner Tochter mitteilt, dass Ahura für sie Djamasp als Mann erwählt hat. Aber auch, dass sie die Freiheit hat, zu überlegen und ihre Vernunft zu Rate zu ziehen.
Aus einem Vers, wo der Bräutigam zu sprechen kommt, geht hervor, dass die Braut nicht nur ihren Eltern und ihrem Manne gegenüber dienstbereit sein soll, sondern auch ihrem Volk oder ihrer Gemeinde dienen muss. Er wünscht seiner Braut die Belohnung der Reinheit des Geistes.
Dann wendet Zarathustra sich zur Gesellschaft und redet besonders zu jungen Männern und Frauen und gibt ihnen moralischen Rat, der auch für unser heutiges soziales Leben voll Wahrheit und Wichtigkeit ist! Er ladet sie zur Tugend, Reinheit und zum Glauben ein und beendet seine Predigt mit dem Anruf an Ahura Mazda: “0 Mazda, Du bist die Allmacht und Du allein vermagst den armen Guten zu belohnen!” Hier erfülle ich das, was Dein Wille ist, o Mazda und o Engel der Wahrheit!
Dies ist mein Entschluss durch meinen Verstand und durch meine Vernunft.
Y. 46, 19. Derjenige, der meinen besten Wunsch nach dem heiligen Gesetz erfüllt,
der wird in dem kommenden Leben, in dem Reich der Ewigkeit von den unzählbaren Gütern genießen dürfen.
Dies wirst Du mir ermöglichen, o Mazda, der Du am besten zu wirken vermagst.
(Yasna 53)
Y. 53, 3. Du, o Pourutschista, die Du aus dem Geschlecht des Hitschtaspa und der Familie des Spitama bist, o jüngste Tochter des Zarathustra, Mazda hat Djamasp, der der Schutz der Gläubigen ist, für Dich ausgewählt. Jetzt gehe und berate mit Deiner Vernunft und erfülle mit reinem Geist die heiligsten Taten der Tugend.
Y. 53, 4. Djamasp sprach: Ich werde diese (Pourutschista) mit Eifer zum Glauben führen, damit sie, wie die Heiligste aller Heiligen ihrem Vater, ihrem Manne, den Adeligen und dem Volk dienen wird. Möge Ahura Mazda sie für ihren guten Glauben mit der Reinheit des Geistes belohnen.
Y. 53, 5. Zarathustra sprach: 0 Bräute und o Bräutigams, ich will euch lehren. Hört meinen Rat und vertraut ihn Eurem Herzen an: “Strebt mit Eifer nach dem reinen Leben des Geistes. Ein Jeder von euch soll mit den guten Taten dem anderen vorangehen. Dadurch wird sein Leben glücklich und fröhlich gestaltet.
Y. 53, 6. Ja, so ist es in Wirklichkeit, o Ihr Männer und Frauen. Dieses Glück, welches Ihr bei dem Anbeter der Lüge seht, wird von ihm weggenommen. Man wird ihm höllische Speisen vorsetzen. Von den Gütern des Paradieses wird er nichts erlangen, denn er hat die Religion verschmäht. Sie könnten auf solche Weise Euer jenseitiges Leben verderben.
Y. 53, 2. Um Mazda zu befriedigen, muss man ihn von Herzen in Gedanken und durch Worte und Taten anbeten. Dies ist für Seine Verherrlichung, dass der König Gushtasp und mein eigener Sohn den Weg der wahren Religion des Botschafters Ahuras angenommen haben und sie überall erklären und verbreiten wollen.
Y. 53, 7. Solange der Glaube noch in Eurem Fleisch und Blut sitzt, werdet Ihr an der Belohnung der Anhänger Anteil haben, während die Seele des Anbeters der Lüge erbärmlich und verächtlich daliegen wird. Wenn Ihr aber euch von dem Kreis der wahren Gläubigen fern haltet, dann werden Eure Worte am jüngsten Tag nur jammervolles Schreien sein.
IX. Der Heilige Geist
Das größte Wunderding ist doch der Mensch allein; Er kann, je wie er’s macht, Gott oder Teufel sein! (Angelus Silesius)
Inhaltserläuterung
In diesem kleinen Gesang spricht Zarathustra vom Heiligen Geist, welchen er den Sohn Ahuras nennt. Er sagt, daß derjenige, welcher Ahura verherrlichen will, auch dem Heiligen Geist huldigen muss. Und wer ihm gegenüber steht mit guten Gedanken, Worten und Taten, der wird das Reich der Vollkommenheit und der Unsterblichkeit erreichen! Der Heilige Geist (Spentman) ist, wie schon gesagt, der Gegensatz vom bösen Geist, Ahriman, der Verführer der Geschöpfe Ahuras. Der Heilige Geist ist, wie alle anderen Engel, der Vermittler zwischen Ahura und Seinen Geschöpfen. Ahura hat alles durch diesen geschaffen. In diesen Gesängen finden wir die Eigenschaften und die Aufgaben des Heiligen Geistes dargestellt. Der Heilige Geist hat diese erstrahlende Welt geschaffen. Ahura hat mit ihm beraten, und dann hat Er durch Liebe der Welt Ruhe und Frieden geschenkt. Wenn die heutigen Menschen keine Ruhe und keinen Frieden haben, so liegt der Grund darin, daß sie sich von der wahren Liebe abgewendet haben, denn was heute Liebe genannt wird, ist meistens nur Selbstsucht, Eigennutz, Trug und Selbstbefriedigung. Darum sagt Zarathustra, dass die Unwahrheit, Ahriman, nur durch den Heiligen Geist fallen wird. Er fordert darum alle Menschen, reich oder arm, auf, gegen Ahriman und seine Anhänger, welche nichts anderes sind als die niederen Triebe des Menschen selbst, zu kämpfen. Die besten Güter Ahuras werden am jüngsten Tag durch den Heiligen Geist den Anhängern der Wahrheit zugeteilt. Und die Vergeltung der Bösen, mittels des Feuers, wird auch durch den Heiligen Geist geschehen. Also ist der Heilige Geist am jüngsten Tage der Verteiler der Strafe und der Belohnungen. Für den jüngsten Tag gebraucht Zarathustra oft ein besonderes Wort, das einen tiefen esoterischen Sinn hat. Er nennt diesen Tag den Tag der Heimzählung, und meint damit den Tag, an dem gezählt wird, wie viel von den Seelen, die im Anfang der Schöpfung unserer Erde als weiße Tauben herab gesandt waren, wieder in ihre Heimat, zu ihrem Vater Ahura, zurückkehren werden; d. h. wie viele Seelen ihre Entwicklung vollendet haben und wie viele für die kommende neue Weltperiode zurück bleiben werden, den faulen Schülern gleich, welche die Prüfung nicht bestehen und dadurch beim Beginn des neuen Schuljahres in den unteren Klassen bleiben müssen. Dies ist der wahre Sinn des Gerichtes am jüngsten Tag. Es gibt also keine Entlassung und kein Fliehen, sondern nur Weiterentwicklung, darum nur unermüdliches Streben nach Vollkommenheit, nur Kampf und Sieg!

(Yasna 47)
Y. 47, 1. Wer dem Heiligen Geist und dem göttlichen Gesetz gegenüber Gutes denkt, Gutes redet und gut handelt, dem wird Ahura durch Seinen Engel der Herrschaft und der Liebe Vollkommenheit und Unsterblichkeit schenken.
Y. 47, 2. Infolge dieser Erkenntnis, dass Mazda der Vater der Wahrheit ist, soll man dem Heiligen Geist gegenüber die besten Taten ausüben, sei es durch Reden, durch Worte, die dem guten Sinn entspringen, oder durch schaffende Tätigkeit, oder durch fromme Ergebenheit.
Y. 47, 3. 0 Mazda, Du bist der heilige Vater dieses Geistes, der für uns diese erfreuende Welt geschaffen hat. Und nach der Beratung mit dem Heiligen Geist hast Du durch die Liebe der Welt Ruhe und Frieden geschenkt.
Y. 47, 4. 0 Mazda, durch diesen Heiligen Geist sind die Anhänger der Unwahrheit gefallen, aber nicht die der Wahrheit. Ein jeder, sei er mehr oder weniger reich, soll den Anhänger der Wahrheit lieben, aber gegen den Anbeter der Unwahrheit kämpfen.
Y. 47, 5. 0 Ahura Mazda! Kann der Anhänger der Unwahrheit, der durch seine Taten dem schlechten Geist folgt, gegen Deinen Willen von den besten Gütern genießen, die Du durch diesen Heiligen Geist dem Anhänger der Wahrheit versprochen hast?
Y. 47, 6. 0 Ahura Mazda! Wie wirst Du durch diesen Heiligen Geist den beiden Gruppen mit Hilfe der Engel der Gerechtigkeit und der Treue mittels des Feuers vergelten! Viele Menschen wünschen es, zu hören, um sich zu bekehren!

X. Anrufung Zarathustras zu Gott

Nicht weil man große Reden hält, ist man ein Wahrheitsverkünder; wenn einer wenig nur gelernt, und durch die Tat der Wahrheit lebt: der ist ein Wahrheitskundiger, der Wahrheit bis zum Tode treu. (Dhammapada)
Inhaltserläuterung

Diese Verse bilden einen der schönsten Gesänge Zarathustras. Hierin ruft er Ahura und dessen Engel an und verlangt nach der Offenbarung Ahuras.
Mit Demut und Bescheidenheit bringt er seine Verherrlichung und Anbetung dar. Sein hoffnungsvoller Wunsch ist das Erreichen der Vollkommenheit und der Unsterblichkeit. Er verlangt nach dem Segen der Engel der Wahrheit und der Liebe, und er bittet Ahura, dass er von der Menschheit fordert, das zu erfüllen, was am besten seinem Willen entspricht. Mit dieser Anrufung enden die Gathas, die heiligen Gesänge Zarathustras.
(Yasna 33–51)
Y. 33, 7. 0 Du Ahura, der Beste von allen, komme her zu mir, und offenbare Dich mir! 0 Mazda, o Engel der Wahrheit und o Engel der Reinheit, zeigt euch mir in sichtbarer Gestalt, damit meine Stimme auch außerhalb des Kreises meiner Anhänger gehört werden wird!
Y. 33, 8. Nehmt, o Engel der Reinheit und der Wahrheit, alles was ich euch darbringe als wahr und richtig an. Und auch alle Lieder, die ich zu Eurem Lob singe. 0 Ihr Engel der Vollkommenheit und der Unsterblichkeit, schenkt mir Eure eigenen Eigenschaften!
Y. 33, 10. 0 Mazda, mit Deinem Willen schenke uns alle Güter des Lebens, die in Deiner Hand liegen, von dem, was da gewesen ist, was da ist und was da sein wird. Mit Hilfe der Reinheit, der Herrlichkeit und der Wahrheit lasse unser Leben gut und fröhlich sein!
Y. 33, 11. 0 Allmächtiger, o Ahura, o Ihr Engel der Unsterblichkeit, der Wahrheit, der Reinheit und der Herrlichkeit, Ihr, in deren Händen die Güter des Paradieses liegen, erhört mich und erbarmt euch meiner an dem Tage, an dem ein jeder seine Abrechnung und seine Vergeltung erhalten wird!
Y. 33, 12. 0 Ahura, offenbare Dich mir, und gib mir Kraft durch die Liebe. 0 Mazda, stärke mich durch die Hilfe Deines Geistes! Als Vergeltung für meine Taten schenke mir durch die Wahrheit Deine gute Belohnung. Und mache mich durch die Reinheit Deiner Kraft und Macht teilhaftig.
Y. 33,13. Um mir zu helfen, wirst Du, o Ahura, o Weitausschauender, die unvergleichliche Güte Deines Reiches allen denjenigen als Lohn ihrer Taten versprechen, die rechten Glauben haben. 0 Engel der Treue, belehre meine Seele über die Wahrheit!
Y. 33, 14. Aus Dankbarkeit bringe ich zu Deinem Thron, 0 Mazda, o Wahrheit, meine Seele und die besten meiner guten Gedanken, Worte und Taten dar, mit alledem, was sie an Ehrfurcht und Erhabenheit besitzen.
Y. 34, 1. 0 Mazda, da Du den Menschen, die die guten Taten, Worte und Gedanken geübt haben, das Reich der Unsterblichkeit, der Wahrheit und der Vollkommenheit schenken wirst, möchte ich zu solchen Menschen gezählt werden, damit auch ich Deine Güter genießen kann.
Y. 34, 2. 0 Mazda, ich, dessen Seele mit der Wahrhaftigkeit vereint ist, bringe Dir alle Gedanken und Taten der Gutgesinnten mit einem Lobgesang an Deinem ehrwürdigen Hof dar.
Y. 34, 3. Mit Huldigung und Ehrfurcht bringe ich Dir, o Ahura, o Wahrheit, mein Opfer dar! Damit Du alle Menschen durch ihre reinen Gedanken für Dein Paradies würdig machst. Ja, die Aufgewachten haben immer Vertrauen, dass sie von einem wie Du nur Gewinn erhalten werden!
Y. 34, 4. Ich wünsche, o Ahura, von den Flammen Deines Feuers, welche durch das Licht der Wahrheit lodern, dass sie Deinem machtvollen und treuen Vertrauten Behagen und Freude schenken und den Feind in Schmerz und Qual versetzen.
Y. 34, 5. Euer ist die Herrschaft, und Euer ist die Macht, o Mazda, o Engel der Reinheit und der Wahrheit! Ich bete darum zu euch, uns Armen und Bedürftigen zu helfen. Denn wir haben uns von der Klasse der Dämonen und Räuber getrennt.
Y. 34, 6. Da Ihr in Wirklichkeit so seid, o Mazda, o Engel der Wahrheit und der Reinheit, so ist dies für mich eine frohe Hoffnung über das Erreichen der Vollkommenheit schon in diesem Leben, damit ich zufrieden und glücklich mich mit Lobgesang und Huldigung zu euch wende.
Y. 34, 7. Sind Dir diejenigen, die durch ihr Leben voll Mühe und Sorgen den Gläubigen irgendeinen Nutzen geben, lieb, o Mazda? Ich kenne außer bei Dir keinen Schutz! 0 Engel der Wahrheit, sei Du mein Hüter und mein Helfer.
Y. 31, 8. 0 Mazda, in dem Augenblick, da ich Dich mit dem Herzen erschaute, habe ich durch die Kraft meines Geistes erkannt, dass Du der Anfang und das Ende bist, dass Du der Vater des Heiligen Geistes bist, dass Du der Schöpfer der Wahrheit und der gerechte Richter für die Taten dieser Welt bist.
Y. 50, 8. 0 Mazda, ich will stets mit würdigen Lobgesängen, die dem frommen Eifer entspringen, vor Dir erscheinen. Und ich, o Engel der Wahrheit, erhebe meine Hände zu Dir und bringe Dir die Huldigung der Getreuen dar, mit allem, was des reinen Geistes würdig ist.
Y. 51, 22. Ich anerkenne denjenigen, dessen Anbetung für uns das Beste aller Dinge ist. Es ist Ahura Mazda mit seinen Engeln, die da waren und sind. Ich will sie mit ihren Namen anrufen, anbeten und mich ihnen mit Lobgesang nähern.
Y. 51, 20. 0 Ihr, die Ihr im Willen eins und mit der Wahrheit vereint seid, o Engel der Reinheit und der Liebe, gewährt uns Euren Segen, wenn wir euch in Demut anrufen. Und haltet Euren Schutz von uns nicht zurück, wie es uns versprochen ist.
Y. 49, 10. 0 Mazda, ich will diesen reinen Gedanken und diese Seele, die der Wahrheit folgen, mit Ehrfurcht, Ergebenheit und Glaubenseifer zu Deinem Throne führen, damit Du, o der Größte und der Mächtigste, sie mit Deiner ewigen Kraft bewahren und bewachen kannst.
Y. 50, 11. Solange ich es vermag, will ich Deinen Lobgesang singen, o Mazda, o Wahrheit! Du Schöpfer der Menschheit, fordere von ihr durch Deinen Engel der Reinheit, dass sie alles das erfülle, was am besten Deinem Willen entspricht!
Y. 50, 7. 0 schnellster von allen Reitern, o Engel der Wahrheit und der Reinheit, o Ihr Mächtigen und Leuchtenden! Mit inbrünstiger Anbetung will ich euch bitten, zu mir zu eilen und bereit zu sein, mir zu helfen.
Y. 51, 7. 0 Du, der Du durch Deinen Heiligen Geist Tiere, Pflanzen, Wasser, Wohlfahrt und Unsterblichkeit schufst, gib mir Kraft und Standhaftigkeit am jüngsten Gerichtstag durch Reinheit.
Y. 50, 10. Die Taten, die ich bis jetzt ausgeübt habe, und alles, was ich von nun an erfüllen werde und auch alles, was meine Augen erfreut, sei es das Licht der Sonne oder die leuchtende Morgenröte, sind nur zu Deiner Verherrlichung, o Wahrheit, o Mazda!

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