Gatha , Zarathustrische Schriften

Gatha , Zarathustrische Schriften

 

Da viele Religionen, insbesondere die Beduinische, speziell für eine Gruppe von Menschen kreiert wurden, z. B. die jüdische Religion für das israelische Volk, könnte man annehmen, dass auch die Zarathustrische für das iranisch-arische Volk bestimmt war.
Diese Annahme ist falsch. Die zarathustrische Lehre ist für die Menschheit der Welt entstanden, gleichgültig, woher die Menschen stammen, welchem, Kulturkreis sie angehören, und welche Hautfarbe sie haben.

Zarathustra hat als Lehrer, Philosoph, Revolutionär und Reformer alle Menschen der Welt dazu eingeladen, sich seine Lehre anzuschauen und freiwillig zu entscheiden, ob sie diese annehmen wollen oder nicht.
Zarathustra ist ein humanistischer Denker. Er kämpft für das bessere Leben aller Menschen auch in der dinglichen Welt und zeigt ihnen, wie sie auch innerlich, seelisch und geistig mit sich selbst und anderen in Frieden und Freiheit leben können. Zarathustra war ein überzeugter Humanist und ein scharfsinniger Soziologe. Er hat im Gegensatz zu anderen Propheten niemals sich selbst, seine Freunde, seine Helfer oder seine Verwandtschaft als etwas Besonderes, Heiliges oder Privilegiertes bezeichnet.

Noch wichtiger erscheint hier, dass Zarathustra kein Volk als “auserwählt”, oder als besser bezeichnet. Bessere oder schlechtere Menschen waren für Zarathustra individuell genau definiert. Alle Menschen sind von vornherein gleich, unterscheiden sich später durch ihre Taten, wofür sie die volle Verantwortung tragen.
Kein Mensch kann durch verbales und zeremoniell durchgeführtes Beten, Bitte, Betteln, Opferbringungen und Ähnliches bei Ahura-Mazda eine bessere, günstigere oder privilegiertere Stellung bekommen.
Durch diesen Tatbestand wird die chronisch-falsche Behauptung ein für alle Mal aus der Welt geschaffen, Zarathustra habe als Schüler bei den Geistlichen gelernt. Er war nie Schüler von Geistlichen und hat diesbezüglich auch keine Erziehung genossen. Er kennt die “Meditation” und erwähnt oft seine Intention, “in sich zu gehen”.

Dass Zarathustra seine Lehre für die ganze Welt entwickelt hat, zeigt sich auch dadurch, dass sein Name in einem beeinflussenden Sinne in verschiedensten Kulturen, z. B. China, Indien, Ägypten, Griechenland, Island, Armenien und Syrien erwähnt wird. Mit Sicherheit war Zarathustra ein kosmopolitischer Revolutionär, der einen hohen Bildungsstand hatte. Deshalb erregte er mit seinen Gedanken und Ideen Aufsehen, denn sie waren gegen die herrschende Meinung der ganzen Welt seiner Zeit.
Immer mehr werden wir die Internationalität Zarathustras kennen lernen, wenn wir seine Gedanken und Ideen präsentiert bekommen. Zarathustra hat uns seine Botschaft und Lehre in siebzehn Liedern hinterlassen, worin er die Grundsätze seiner Lehre klar und verständlich geäußert hat.
Gatha bedeutet “reine Lieder”. Außer diesen Liedern ist uns nichts mehr von Zarathustras Lehre bekannt. In den Gatha finden wir keine märchenhaften Mythologien und Erzählungen, in denen Gott binnen einiger Tage die Menschen erschuf. So ist zu schlussfolgern, dass Ahura-Mazda selbst ein Teil der Welt und dann die Menschen erschaffen hat .

 

In dieser Lehre ist Gott Ahura-Mazda selbst ein Teil der Welt. Zarathustras Lehre und Lebensphilosophie motiviert Menschen zur aktiven Mitarbeit, gute Taten für sich und andere zu vollbringen und dadurch die religiöse Innerlichkeit zu erzielen. Unkomplizierte, logische und lebensfreundliche Taten für die Menschen, für den Erhalt der Welt und der Tiere, der Pflanzen, der Elemente wie Grund und Boden, Wasser, Feuer und Wetter (Wind).
Ein Mensch, der diese Verordnungen mit Leben erfüllt, ist schon ein guter Zarathustrier, ein frommer Zarathustrier, der keine Gebete braucht, und dem Gott Ahura-Mazda schon nahe steht.

Die meisten Zarathustraforscher sind der Meinung, diese Gatha-Texte seien über 3000 Jahre alt. Zarathustras Lehre ist auf dem Monotheismus aufgebaut, ein böser Gott namens Ahriman ist in den Gatha nicht erwähnt und stellt einen Fremdkörper in der zarathustrischen Lehre dar. Zarathustras Schriften wurden nach seinem Tode von König Wischtasb zusammengestellt.
Bei diesen Schriften handelt es sich um vollständige Gatha-Texte. Davon sollen zwei handschriftliche Exemplare angefertigt worden sein. Ein Exemplar soll inPersepolis, das zweite im Feuertempel in Samarghand, wie Ferdousi in seinem BuchSchahnameh, dem “Buch der Könige”, berichtet, untergebracht worden sein. Das Exemplar von Persepolis wurde von Alexander, dem Mazedonier verbrannt, das zweite Exemplar auf Veranlassung von Aristoteles nach Griechenland transportiert. Beide Exemplare waren mit Gold auf Rinderhäuten geschrieben.
Viele Jahrhunderte später veranlasste der Begründer der Sassandien-Dynastie,Ardeschir-Papakan, dass die Zarathustra-Schriften, die inzwischen als geheime, heilige Literatur in zarathustrischen Familien geschützt aufbewahrt wurden, zusammengetragen und allen Menschen im damaligen Iran als staatliche Religionsliteratur zur Verfügung gestellt wurden. Alles was von ZarathustrasGatha übrig geblieben war, stand im neunten Jahrhunderte nach Christi Geburt fest. Weil schon in der Sassanidenzeit die avestische Sprache weder gesprochen noch geschrieben wurde. Natürlich waren inzwischen sehr viel Schriften zu denGatha hinzugekommen, die zwar unter anderem Namen, nicht als Gatha, veröffentlicht waren, aber von sich behaupteten, von Zarathustra zu stammen.

Zahlreiche Menschen, Zarathustra-Kenner, ja sogar Zarathustrier selbst, verfielen (übrigens heute noch) dem Irrglauben, dass die Gatha nur ein Teil des zarathustrischen heiligen Buches Avesta seien und weitere Teile wie Vandidad,VispardYaschtha und Khorde Avesta seien ebenfalls vorhanden.
Wahr ist, dass nur die Gatha aus der Feder Zarathustras stammen und keine weiteren Schriften sonst. Inzwischen ist auch klar, dass die anderen genannten Schriften durch selbst ernannte Gottesmänner im Namen Zarathustras veröffentlicht wurden. Zarathustras Grundgedanken sind in diesen Schriften nicht vertreten. Über 3000 Jahre hatte die Geschichte Zeit, diese Schriften zu produzieren, die höchstwahrscheinlich in ihrer Entstehungszeit den religiösen Machthabern gelegen erschienen und den Nachfragen der Menschen entsprachen.
Die Fragen danach, ob der Lehre Zarathustras durch diese nicht-zarathustrischen Schriften ein Schaden entstanden ist, muss mit einem klaren “Ja” beantwortet werden. Zarathustra selbst hätte diese Zusätze niemals akzeptiert, da sie größtenteils gegen die tatsächliche Grundsätze seiner Lehre sind.
Bei diesen Werken handelt es sich um Schriften über religiöse Bekenntnisse, um Märchen, Geschichten, Lieder, Gebete und historische Abhandlungen über Askese, Landwirtschaft, Tierzucht, Hygiene, Erdkunde, Human- und Veterinärmedizin usw.
Am ende der Sassaniden-Dynastie haben diese Schriften in zwanzig Büchern ihren platz gefunden. Nur der 21ste Band beinhaltet die Original-Texte Zarathustras.

 

Die avestische Schrift

Wenn man die Gatha studiert, kann man die philosophischen und auch die sprachlichen Unterschiede zu anderen Schriften klar und einfach feststellen. Es ist wichtig, hier eine Besonderheit zu erwähnen: In keinem Heiligen Buch der Welt spricht oder schreibt der Prophet selbst: Im Heiligen Buch der Juden selbst ist zu lesen, dass dieses erst im Laufe der Jahrhunderte zusammengestellt wurde.
Kein einziges Schriftstück, keine einzige Aussage stammt von Moses selbst. Niemand weiß eigentlich, wer der Schreiber mehrerer Teile dieses heiligen Buches der Juden gewesen ist. Auch beim Neuen Testament ist die Chronik einer sehr kurzen Zeit.
Die meisten Geschichten sind von Jüngern erzählt. Erst nach mehr als hundert Jahren nach dem Tod Jesu Christi, wurden von unbekannten Schreibern weiter Schriftstücke angefertigt. Nirgendwo steht geschrieben, dass Gott diese Geschichten erzählt, nirgendwo steht, dass Gott diese Geschichten diktiert hat.
Mohammed, der arabisch-islamische Prophet, ist genauso wenig im Koran vertreten wie seine beiden verwandten Vorgänger. Von ihm gibt es auch keine Original-Schriften. Der Koran ist genauso spät von größtenteils unbekannten Schreibern fertig gestellt worden wie das Alte und Neue Testament auch.

Fazit: Von den drei beduinischen Religionen mit den meisten Gläubigen, dem Judentum, Christentum und dem Islam, sind keine Original-Schriften des jeweiligen Propheten in deren Heiligen Büchern zu finden, geschweige denn Gottes Worte! Als die uns noch unbekannten Juden ihr heiliges Buch zusammenstellten, waren die Original-Texte Zarathustras, die Gatha, schon mehrere hundert Jahre alt.
Vergessen wir nicht, dass die jüdische Religion für ein bestimmtes, klar definiertes Volk kreiert war, und die islamische Religion auch ursprünglich für Mohammads Sippe “Ghoreisch” gedacht war. Der jüdische Gott hatte anfangs menschliche Charakterzüge. Er war neidisch, zornig und nachtragend. Er brauchte unbedingt Opfer. Man musste ihn unbedingt bewundern, um seinen Zorn zu dämpfen. Wer seine Befehle nicht sofort ausführt, wird auf grausamste Art und Weise getötet.

Die zarathustrische Lehre hat einen vollkommen anderen Hintergrund, eine andere Mythologie und auch eine andere Funktion als die jüdische. In der Zeit, in der Zarathustra sich offenbarte, gab es keine Verbindungen zwischen Ost und West. Ein jüdisches Heiliges Buch existierte auch nicht. Man muss also davon ausgehen, dass in der zarathustrischen Lehre (Religion) nicht die geringste Spur der jüdischen Religion zu finden ist.
Umgekehrt aber reden zahlreiche Altertums- und Religionsforscher über die eindeutigen Einflüsse der zarathustrischen Lehre auf die jüdische Religion. Seherberichtet über eine am Toten Meer gefundene Inschrift, worin zu lesen ist: Jahveerschuf zwei Geister, den Geist der Wahrheit und den Geist des Bösen. Der erste war leuchtend, der zweite düster. Alles Böse stammt von diesem bösen Geist, der versucht die Guten, Wahrheitsliebenden zu verführen. Jahve ist bis ans Ende der Welt gegen diesen bösen Geist, aber liebt den Geist der Wahrheit und ist ewig mit ihm zusammen.
Diese Begriffe, Worte und Sätze waren anfangs in der Thora nicht zu finden und sind offensichtlich aus den zarathustrischen Schriften übernommen. Die Begriffe sind zwar zarathustrisch, aber die Zusammenhänge sind von Seher nicht richtig interpretiert. Ahura-Mazda hat von Anfang an den bösen Geist nicht als böse erschaffen. Dieser Geist hat selbst und freiwillig die bösen Eigenschaften gewählt.
Ein anderer Punkt ist der Begriff “der jüngste Tag”, ebenfalls ein falsch verstandener und auch falsch übernommener. Daniel hat Jahrhunderte später, als die babylonische Gefangenschaft durch den Achemeniden-Grosskönig Kuroschbeendet wurde, diesen Begriff von den zarathustriern, die er im damaligen Iran kennen gelernt hatte, übernommen und in das alte Testament integriert.

Daniel spricht über einen bestimmten Tag am Ende der Welt und der Zeit, wo die Toten auferstehen, manche von ihnen das ewige Leben erlangen und andere die ewige Strafe. Diese übernommenen Begriffe wurden wiederum später in das Christentum integriert. Wie man sieht, sind alle übernommenen Begriffe zwar heutzutage im Judentum, Christentum und im Islam fest integriert und davon nicht wegzudenken, sie sind aber missverständlich und teilweise völlig falsch interpretiert worden. Diese falsche Interpretationen haben im Laufe der Jahrhunderte erhebliche Schäden an Zarathustras Image und seine Lehre angerichtet.

Die Gründe dafür, dass so viele falsche Interpretationen in Umlauft gebracht wurden, sind machtpolitischer Natur gewesen. Zarathustra hat mit seiner radikal-reformistischen Botschaft die Säulen aller Religionen, die später verkündet wurden so stark erschüttert, und seine Eingriffe waren so entscheidend, dass sich die ganze Glaubenswelt verschwor, um gegen Zarathustra und seine Lehre zu Feld zu ziehen, und schädigende Märchen und Spekulationen gegen ihn und seine Lehre zu verbreiten.
In den Augen dieser erklärten Feinde war Zarathustra ein radikaler Revolutionär, ein unerbittlicher Nonkonformist, der alle früheren Glaubensrichtungen ablehnte, mühsam aller oberflächlichen, abergläubischen und blutigen Rituale beendete. Er versuchte die Menschen davon zu überzeugen, dass außer guten taten und guten Gedanken keine weiteren Handlungen von Gott als positiv akzeptiert wurden.

 

 

 

 

Mit wenig Veränderung von : Dr. A. Madjderey , zarathustra.ch

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